Und die Moral von der Geschicht? Selbst das SEK verhindert Dynamo nicht! – Teil 1

Und mit diesem leicht abgewandelten Spruchband aus der Vorsaison heißen wir Euch herzlich Willkommen beim diesjährigen Saisonrückblick der Schwarz-Gelben Hilfe. So mancher Dynamofan wird froh sein, diese grauenvolle Spielzeit endlich abgehakt zu haben. Auch für uns war die Spielzeit 2018/19 wieder geprägt von Siegen und Niederlagen, von guten wie schlechten Zeiten. Doch in diesem Saisonrückblick wollen wir den Fokus nicht auf die üblichen Einzelschicksale der von Repressionen betroffenen Dynamofans richten. Das Augenmerk liegt auf dem polizeilichen Handeln, das vermehrt einen Großteil von Dynamofans an Spieltagen trifft. Eine gefährliche Entwicklung macht sich in der Bundesrepublik Deutschland breit. Die Allmacht der Polizei wird Gesetz. Jener Rechtsstaat, der uns Bürger, also auch uns Fußballfans, vor staatlichem Fehlverhalten schützen soll, wandelt sich immer mehr in einen Rechtsstaat, der sich selbst zu schützen versucht. Grund hierfür ist die bundesweite Verschärfung der Polizeigesetze. Aber auch Innenminister, die den Kontroll- und Überwachungsstaat fordern und ihre handelnde Exekutive, sprich Polizeieinheiten, mit immer neuen weitreichenden Befugnissen und allumfassenden Schutz aufrüsten, tragen dazu bei. Neben der üblichen Verfahrensbegleitung einzelner Dynamofans, die Probleme mit Polizei und Justiz bekommen haben, richtet sich unsere Aufmerksamkeit deshalb immer mehr auf die generelle Überprüfung polizeilichen Handelns. Im Unterschied zu so manch “medialem Lautsprecher” wollen wir an dieser Stelle keine Effekthascherei betreiben und holen auch nicht zum großen Rundumschlag aus. Es reicht allein, das ein oder andere Ereignis aus der letzten Saison noch einmal zu beleuchten, um zu sehen, welch schleichender Prozess in Gang gesetzt wurde.

Zukunftsbilder in Köln

Im November 2018 trat unsere Sportgemeinschaft in der Kölner Domstadt zum Auswärtsspiel an. Auf einer sehr unterhaltsamen Pressekonferenz einige Tage vor dem Spiel machte die Kölner Polizei deutlich, dass sie nicht gerade das unaufgeregte polizeiliche Handeln erfunden hat. “Das alles wollen wir in Köln hier nicht sehen…” – oder auch: die perfekte Medieninszenierung der Kölner Polizei. Viele rieben sich verwundert die Augen oder schüttelten den Kopf als Sätze, wie: “Es liegen Erkenntnisse vor, dass die Dresdner Fans einen Fanmarsch planen.” fielen. Nur durch “intensivste Vorabermittlungen” der Kölner Polizei konnte man an solch brisante Informationen gelangen – jedoch hatten die Vereinsführung und die Fanbetreuung zuvor die Möglichkeit eines solchen Marsches angefragt. Erst dadurch hatte die Kölner Polizei Kenntnis eines eventuellen Marsches erlangt.. Das Highlight folgte dann am Spieltag selbst, als bis zu 50 Polizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) rund um das Müngersdorfer Stadion auf die mitgereisten Dynamos warteten. Die beste Antwort auf dieses ganze Theater lieferten die Fans selbst in Form eines grandiosen Auswärtsauftritts, inklusive großer schwarz-gelber Rauchshow und einem besonnenen Verhalten, welches das polizeiliche Theater ins Leere laufen ließ. Selbst nach Ende des Spiels stand das SEK-Abwehrbollwerk des selbsternannten freiheitlich-demokratischen Nordrhein-Westfalens wie eine Eins, was sich von unserer sportlichen Defensive nach einer 8:1-Niederlage leider nicht behaupten ließ.

Aufrüstung auch in Hamburg

Ganz ähnliche Töne wurden nach dem Jahreswechsel 2018/19 in Hamburg laut. Es näherte sich unser Auswärtsspiel beim längst ausgestorbenen HSV-Dinosaurier. Auch hier kündigte die Hamburger Polizei eine Null-Toleranz-Schiene an und reagierte somit nicht gerade deeskalierend auf das sowieso angespannte Verhältnis zwischen Dynamofans und der Hamburger Polizei. Zur Erinnerung: Beim Spiel der schwarz-gelben Kicker am Millerntor im Dezember 2018 folgte auf das Fehlverhalten einiger Dynamofans ein Polizeieinsatz, der aus unserer Sicht völlig orientierungs- und planlos war. Pfefferspray und Schlagstock wurden damals gegen alles und jeden eingesetzt. Das Ergebnis waren mehrere Ingewahrsahmnahmen und eine große Zahl noch immer laufender Gerichtsverfahren gegen Dynamofans. Das Spiel beim HSV stand daher nicht gerade unter einem guten Stern. Einige Hamburger Boulevardblätter fantasierten schon im Vorfeld über hereinbrechende Hooliganhorden in der Hansestadt. Die Polizei rüstete am Spieltag typisch freiheitlich hanseatisch auf und so standen neben dutzenden Hundertschaften auch Wasserwerfer und Räumpanzer bereit. Ein Fanmarsch, welcher von einem Einkaufszentrum zum Volkspark zog, zeigte, wie dünn die Reißleine zur Eskalation auf Seiten der Hamburger Polizeieinsatzleitung war. Nachdem ein pyrotechnischer Gegenstand gezündet wurde, bezogen sofort BFE-Einheiten und oben genannte Einsatzgeräte Stellung und stoppten den Marsch. Nur durch das deeskalierende Verhalten der Dresdner Fans konnte der Fanmarsch schließlich fortgesetzt werden. Am Einlass folgte für einen ehemaligen Bundesligisten unwürdigste Bedingungen. Im Stadion selbst zeigten die Schlachtenbummler der SGD eine der größten Bengalenshows bei einem Auswärtsauftritt unserer Mannschaft, welche sogar im Nachgang die Debatte in der bundesdeutschen Medienwelt über die Frage nach der Legalisierung von Pyrotechnik wieder anheizte. Beim Abmarsch der Fans nach dem Spiel kam es leider zu einem äußerst tragischen Vorfall, der uns -und vor allem die Angehörigen- nach wie vor stark beschäftigt. Genauer können und wollen wir an dieser Stelle aus Respekt vor den Angehörigen und aufgrund eines laufenden Verfahrens nicht werden.

Gefahrenabwehr in Duisburg und Darmstadt

Auch vermeintlich kleinere Auswärtsspiele wurden durch polizeiliche Maßnahmen für viele mitgereisten Dynamofans zu einer Zerreißprobe. “Im Rahmen der Gefahrenabwehr” sollte das letzte Spiel des Jahres 2018 in Duisburg ein besonderes werden. Aufgrund einer vorausgegangen kleinen Rangelei einzelner Dynamofans mit dem Ordnungsdienst am Einlass des Wedaustadions erfolgte die Kesselung und der Ausschluss von etwas mehr als 250 Dynamofans vom Spiel. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen zeigte erneut ihre bürgerrechtsfeindlichen Zähne und ließ später über deren Medien verlauten, dass dies ein geplanter Sturm des Stadions gewesen wäre, um pyrotechnische Gegenstände ins Stadion zu bringen. Gefunden wurde allerdings bei den betroffenen Dynamofans nichts. Stattdessen durfte man mit Sicht auf das Stadionäußere im Nieselregen warten bis man zur persönlichen Kontrolle abgeholt wurde. Die schwarz-gelben Anhänger, welche schon im Gästeblock auf die aktive Fanszene warteten, zeigten sich solidarisch, versuchten den Block zu verlassen, was ihnen allerdings aufgrund polizeilicher Gegenwehr untersagt wurde, und somit schwiegen sie die komplette Spielzeit. Vor Ort waren wir, die Schwarz-Gelbe Hilfe, leider erst einmal machtlos, doch wir werden sehen, was die juristische Überprüfung im Nachgang bringen wird. Ähnliches Schicksal erlitten die Insassen von vier Kleinbussen nach dem Spiel beim SV Darmstadt: Die eingesetzten hessischen Polizeibeamten versuchten krampfhaft ein textiles Beweismittel zu finden, welches zuvor ihren Dienstherren Peter Beuth (hessischer Innenminister mit CDU-Parteibuch) als Sohn eines Freudenmädchens beleidigte. Hintergrund des Spruchbandes war der völlig überzogene Polizeieinsatz seines gehorsamen Fußvolkes am Rande des Europapokalspiels der Frankfurter Eintracht gegen Shakhtar Donetsk und die Durchsuchung des Choreomaterials nach einem Spruchband, welches ihn als einen “Ficker” bezeichnet haben soll. Auf dem Darmstädter Gästeparkplatz konnte der Tatgegenstand allerdings trotz stundenlanger Durchsuchungen nicht gefunden werden, Ermittlungen wegen Beleidigung Peter Beuths sind uns bisher ebenfalls nicht bekannt. Auch hier geht ein Dank an die wartenden Dynamofans, die sich solidarisch mit den betroffenen Fußballfans zeigten.

Und die Moral von der Geschicht? Selbst das SEK verhindert Dynamo nicht! – Teil 2

Die Folgen aus Karlsruhe & Magdeburg
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Ein Buchstabe erregt die Gemüter – RED KAOS – eine rechtlichen Einordnung

Es ist der 30.07.2019 – eine Meldung verbreitet sich in den sozialen Medien und auf diversen (un-)bekannten Fußballfanplattformen wie ein Lauffeuer – unsere Freunde aus Zwickau, die Ultragruppe RED KAOS 1997, fährt nicht zum Auswärtsspiel zu den Münchner Löwen. Auslöser sind die Meldungen des FSV Zwickau und des Fanprojekt Zwickau über ein angebliches Verbot der Auswärtssfahne der Zwickauer Ultras und, dass eben diese treuen Anhänger der Westsachsenkicker nun daraufhin nicht nach München reisen werden. Read More…

Zug um Zug – Vorwürfe der Bundespolizei bleiben ungeklärt

In der jüngeren Vergangenheit sahen sich einige Dynamofans mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung (§ 303 StGB) seitens der Bundespolizei konfrontiert. In Zuge dessen wurde ebenfalls der Verdacht erhoben, dass die Beschuldigten Dynamofans Verunreinigung von Bahnanlagen, Betriebsteinrichtungen oder eines Fahrzeuges vorgenommen haben, was eine Ordnungswidrigkeit nach § 64b der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) darstelle.
Die Vorwürfe klangen immer wieder gleich: Die beschuldigten Schlachtenbummler sollen bei Zugfahrten zu Auswärtsspielen der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden die im Verkehrsmittel befindlichen Kameras abgeklebt haben, um die Aufklärung möglicher Straftaten und Ordnungswidrigkeiten zu verhindern. Nach Ankunft der Züge sollen diese nun in einem verschmutzen Zustand vorgefunden worden sein.
Nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen wurden diese Vorwürfe in den meisten Fällen aus unterschiedlichen Gründen seitens der Staatsanwaltschaft eingestellt. Doch eine Staatsanwaltschaft in der sächsischen Provinz beließ es nicht bei einer Einstellung und so erhielt der Betroffene einen Strafbefehl in Höhe von 30 Tagessätzen á 40,00€ – also insgesamt 1.200 €.

Mit der Hilfe der Schwarz-Gelben Hilfe wurde nun eine Anwältin eingeschaltet, die für den Dynamofan in Einspruch ging und die Vorwürfe mittels Akteneinsicht prüfte. Die restliche Geschichte ist nun sehr schnell erzählt, denn die Beweislage gegen den Dynamofan war sehr dünn und die Gerichtsverhandlung am Amtsgericht Kamenz dauerte gerade einmal sechs Minuten! Die Bilder von einer anderen Überwachungskamera zeigten zwar den betroffenen Fan und dass er sich zum Zeitpunkt der vermeintlichen Tat unglücklicherweise in der Nähe des Tatorts aufhielt. Allerdings blieb unklar, ob und vorallem wer eine Kamera mittels Aufkleber überklebte. Dies war gar nicht zu erkennen. Dem Richter wurde die Klärung des Sachverhalts wohl zu umständlich und so stellte er das Gerichtsverfahren nach § 153 StPO ein. Des Weiteren beschloss er, dass alle Auslagen, sprich Gerichts- und Anwaltskosten, der Staat tragen muss.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Telefonaffäre: Dresdner Anwälte fordern Untersuchung durch einen ehemaligen Bundesrichter

Liebe Dynamofans,
folgende Pressemitteilung des Dresdner Anwalt Verein e.V. zur Abhöraffäre des Dresdner Strafverteidigers Ulf Israel möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten. Der Anwaltverein fordert die lückenlöse Aufklärung dieser Angelengeheit. Dieser Forderung können wir uns nur anschließen!
Am Ende der PM findet ihr ebenso den Link zum offenen Brief an die Landtagsfraktion der CDU.
Hier nun die Pressemitteilung:
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Erfolgreiche Löschung einer ED-Behandlung

Beim letzten Auswärtsspiel der SG Dynamo Dresden im Kieler Holsteinstadion kam es im Vorfeld der Partie zu mindestens zwei Ingewahrsamnahmen. Die eingesetzten Polizisten rechtfertigten diese Maßnahme mit schwammigen und wirren Vorwürfen gegen diese beiden Dynamofans. Doch den Anschuldigungen nicht genug, setzten die Polizisten auf der Wache noch eins drauf – es folgte bei beiden Dynamofans eine erkennungsdienstliche Behandlung. Auf Nachfrage der beiden Betroffenen wurde keinerlei Begründung für diese Maßnahme geliefert, auch belehrte die Polizei die beiden Anhänger nicht über ihre Rechte. Als diese nun die Schwarz-Gelbe Hilfe und die mitgereiste Anwältin informieren wollten, wurde ihnen ein Telefonat verweigert. Aus Angst vor weiteren Konsequenzen
oder gar einem Strafverfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ließen beide die Maßnahmen über sich ergehen. Es wurden nun Fotos geschossen, Finger- und Handabdrücke genommen. Pünktlich nach Spielende wurden beide aus dem Polizeipräsidium entlassen – 1.120 km An- und Abreise umsonst.

Zu Hause angekommen, meldeten sich beide Dynamofans umgehend bei der Schwarz-Gelben Hilfe. Gegen die vermeintliche mündliche Anordnung, wobei jegliche Begründung durch die Polizei fehlte, auf der die erkennungsdienstliche Behandlung beruhte, legte deren Anwältin Widerspruch ein. Problematisch war hierbei, dass der Verwaltungsakt mündlich erlassen und nicht schriftlich dokumentiert wurde.
Dadurch wird das Vorgehen gegen den Verwaltungsakt erheblich erschwert. Dennoch hatte die Anwältin im Ergebnis Erfolg: Zwar argumentierte die Polizei, dass die Anordnung der ED-Behandlung rechtmäßig war. Die Anordnung dieser polizeilichen Maßnahme wäre aber rein präventiv gewesen. Dies bedeutet, dass die ED-Maßnahme durchgeführt wurden wäre, um die beiden Dynamofans bei etwaigen zukünftigen Straftaten besser identifizieren zu können und nicht wie angenommen, zur Aufklärung einer vermeintlichen Straftat in der Vergangenheit. Die Polizei sicherte jedoch gleichzeitig zu, dass sämtliche Daten (Fotos und Finger- sowie Handflächenabdrücke) aus den Datenbanken gelöscht werden. Woher nun die plötzliche Kehrtwende der Kieler Polizei, trotz vermeintlicher Rechtssicherheit kam, kann sich nun wohl ein jeder denken…!

Die anfallenden Anwaltskosten beglich die Schwarz-Gelbe Hilfe vollständig.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Schwerer Unfall in Darmstadt

Nach Abpfiff der Zweitliga-Partie der SG Dynamo Dresden am Böllenfalltor in Darmstadt ereignete sich ein folgenschwerer Unfall. Ein Dynamofan, der auf einer Betonwand des nicht fertiggestellten Durchgangs zum Gästeblock saß, stürzte etwa drei bis vier Meter in die Tiefe und landete auf dem Boden des schmalen Durchgangs. Ersthelfer und Fans eilten zum Unglücksort. Die Polizei riegelte nun folgerichtig den Abmarsch der Fans ab, sodass ein Rettungseinsatz ungehindert durchgeführt werden konnte. Alle Dynamofans verhielten sich während der Versorgung des Verunglückten ruhig. Es gab keinerlei Rangeleien oder Störungen. Nach der Erstversorgung am Unfallort folgte der Abtransport des schwer verünglückten Dynamofan mittels eines Hubschraubers aus dem Stadion. Wie man der Vereinshomepage der SG Dynamo Dresden entnehmen konnte (Stand 25.08.2019 – Link zum Text ), befindet sich der Fußballfan weiterhin in einem sehr kritischen Zustand. Auch wir, die Schwarz-Gelbe Hilfe e.V., wünschen dem verunglückten Dynamofan baldige und vollständige Genesung, den Angehörigen und Freunden viel Kraft bei der Begleitung des Unfallopfers. Unser Dank gilt neben den Ersthelfern und Rettungskräften auch den Dynamofans, die mit ihrem besonnenen Verhalten ihren Teil zur schnellen Hilfe des betroffenen Fans beitrugen.

Mit dem weiteren Text wollen wir versuchen, diesen Unfall noch einmal genauer in Augenschein nehmen, die bisherige Berichterstattung zu ergänzen und auf Mängel bzw. Ursachen des Sturzes hinweisen. Dass dem verunfallten Dynamofan ein Mitverschulden an dem Sturz trifft, steht dabei für uns außer Frage. Es gab während der 90minütigen Spielzeit mindestens zwei deutlich zu vernehmende Durchsagen des Stadionsprechers des SV Darmstadt 98 an alle Kletterer im Gästeblock, die Mauern des Gästeblocks zu verlassen. Ebenfalls soll ein Ordner mehrfach die Fans auf deren Fehlverhalten hingewiesen haben. Ob zu Beginn der Klettereien etwaige Warnschilder vorhanden waren, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis – nach Freigabe des Durchgangs weit nach Spielende waren jedenfalls keine mehr zu sehen.
Auf der anderen Seite bleibt allerdings festzuhalten, dass aus unsere Sicht der Gästeblock in Darmstadt erhebliche sicherheitsrelevante Mängel aufwies – mit anderen Worten: Es war eine, für den Zuschauerverkehr ungeeignete, Baustelle. Das Problem begann mit der verspäteten Ankunft von ca. 180-200 Dynamofans am Gästeblock. Zu diesem Zeitpunkt war der Zugang zum Bereich bereits völlig verstopft und es begann sich ein Stau im Bereich des Schotterweges bzw. in der obersten Reihe des Gästeblocks zu bilden. Laut Augenzeugenberichten bildete sich dieser Stau auch schon weit vor Spielbeginn. In Folge dessen standen nun Dynamofans in drei Reihen auf der obersten Stufe des Gästebereichs. Eine Sicht auf das Spielfeld bzw. das Spiel war dabei nur beschränkt oder gar nicht möglich. Viele Fans begannen nun in schlecht oder gar nicht abgesicherte Baustellenbereiche vorzudringen oder eben auf einzelne Mauerteile des künftig als Zugang geplanten Mundlochs zu klettern. Zu diesem Zeitpunkt waren keinerlei Ordner im Bereich der Baustellen oder der unfertigen Betonteile, um dieses zu verhindern. Ein Ausweichen in andere Teile des Stadions bspw. der Sitzplatzhintertortribüne wurde durch Ordnungsdienst und Polizei verwehrt. Nur in Ausnahmefälle gelangten einzelne Dynamofans auf die Hintertortribüne.

Auffällig war ebenfalls, dass es keine deutliche farbliche Markierung der Betonstufen für einen möglichen Gang in Richtung Ausgang oder der Fluchtwege gab. Vielmehr markierten einlaminierte Papierschilder ohne Beleuchtung an oben genannten Mauern den Fluchtweg bzw. Ausgang. Anders als an deutlich weniger gefährlichen Bereichen des Stadions waren darüber hinaus keine Ordner eingesetzt, um diese freizuhalten. Aus unserer Sicht ist dies keine adäquate Übergangslösung für eine Großveranstaltung. Aufgrund der oben genannten Überfüllung des Sektors halten wir das Verhältnis von verkauften Eintrittskarten im Bereich der Dynamofans zur Kapazität der vorhandenen Plätze im Bereich des im Bau befindlichen Gästeblocks für zumindest fragwürdig.

Nachdem der Sturz erfolgte und die Ersthelfer von Rettungskräften abgelöst wurden, offenbarte sich ein weiterer Mangel an den Gegebenheiten dieses Baustellenbereich, da der eingesetzte Rettungwagen auf Grund der Lage nicht bis zum Unfallort vordringen konnte. Notarzt und Rettungssanitäter mussten mehrfach eine Anhöhe bis zum Eingang des Gästebereichs bzw. einen Weg von ca. 60-70m zurücklegen – wertvolle Momente in einer lebensbedrohlichen Situation. Erst rund 50 Minuten nach dem Sturz des Fans landete der Rettungshubschrauber auf dem Rasen des Böllenfalltor – der gestürzte Fan wurde durch das Stadioninnere abtransportiert. Auch hier herrschte bei Polizei- und Rettungskräften bis zum Abtransport Ungewissheit über den best- und schnellstmöglichen Weg.

Aus unserer Sicht muss die Frage nach dem Warum deutlich tiefgründiger gestellt werden. In Zeiten ausufernder Diskussionen über die Sicherheit in und um deutsche Fußballstadien stellt sich die Frage sogar noch viel stärker. War der baulich Zustand der Tribüne wirklich dazu geeignet, eine solche Masse an Fans aufzunehmen? Waren alle sicherheitsrelevanten Bestimmungen eingehalten oder wurden auf Teufel komm raus Karten für einen Bereich des Stadions verkauft, der so nicht hätte freigegeben werden dürfen? Welche Notfallkonzepte hatte der gastgebende Verein für den Fall eines Unglücks und wie gestaltete sich das in der Realität? Wie will der Verein Darmstadt 98 in Zukunft für die Sicherheit seiner Stadionbesucher sorgen?

All diese Fragen sollten sich die Verantwortlichen der Polizei, der Stadt Darmstadt und des SV Darmstadt stellen und bestmöglichst beantworten können, denn mit dem 1.FC Nürnberg kommt zum nächsten Heimspiel der Lilien ein ähnliches Schwergewicht in Sachen Fanaufkommen.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Bildquelle Hintergrundbild: Jokers Radeberg

Gerichtsverfahren wird zur Farce

Viele der schwarz-gelben Anhänger werden das DFB-Pokalspiel beim SC Freiburg am 25.10.2017 in schlechter Erinnerung haben. Neben einer 3:1-Niederlage und dem damit verbundenen vorzeitigen Aus im DFB-Pokal, herrschten im und um das Freiburger Dreisamstadion skandalöse Zustände. Unsere schwarz-gelbe Mannschaft konnte in den 90 Minuten nicht auf die übliche Unterstützung der Fans bauen. Stundenlange Ingewahrsamnahmen von mehr als 200 Dynamofans im Freiburger Stadtgebiet, willkürliche Kontrollen vor und nach dem Spiel von Seiten der Polizei sind nur wenige Punkte eines komplett auf Eskalation ausgelegten Einsatzkonzeptes seitens der Freiburger Polizeiführung, welches die mitgereisten Dynamofans nicht zum Support hinreißen ließen. Wir berichteten damals über polizeiliches Fehlverhalten direkt im Anschluss des Spiels.

Heute wollen wir über einen einzelnen Dynamofan, nennen wir ihn Emil Elster, berichten, dessen Erfahrungen mit diesem unfairen Spiel nicht am Pokalabend endeten. Denn Emil Elster erhielt nach dem Spiel eine Bußgeldbescheid über 330 € – der Vorwurf: Mitführen eines Vermummungsgegenstandes. Das Zustandekommen dieses Bescheides ist schlichtweg skandalös. Dynamofan Emil zog am Pokalabend mit einer ca. 30-köpfigen Gruppe von schwarz-gelben Anhängern fußläufig zum Dreisamstadion. Unterwegs wurde diese Gruppe von der Polizei gestoppt und die Personalien kontrolliert. In Folge dieser Überprüfungen entdeckten die Polizisten in der Gruppe einen Schlauchschal, welcher am Boden lag und ordneten diesen nun wahllos Emil Elster zu, worauf er sofort bestritt, dass dieser Gegenstand ihm gehöre. Doch das nützte nichts, stattdessen verbrachte Emil Elster das Spiel auf der Stadionwache um weitere polizeiliche Maßnahmen über sich ergehen zu lassen.

Emil Elster sah sich im Recht, ging in Einspruch gegen den Bescheid und nahm sich einen Rechtsbeistand. Angesetzt wurde eine Verhandlung über diese vermeintliche Ordnungswidrigkeit am Amtsgericht Freiburg. Doch Emils Glaube an den vermeintlichen Rechtsstaat sollte sich im Laufe der zwei Verhandlungstage um ein weiteres Mal erschüttern. Der einzige Zeuge, ein an dem Abend eingesetzter Polizeibeamter, konnte sich in der Hauptverhandlung nicht mehr aus eigener Kraft an den Vorfall erinnern. Vielmehr war ihm zuvor die gesamte Ermittlungsakte durch den Hauptsachbearbeiter des Falls für seine Zeugenaussage überlassen worden und in die er immer wieder während seiner Aussage schaute. Nur auf dieser Grundlage war der Polizeibeamte überhaupt dazu in der Lage Angaben zur Sache zu machen. Nachdem dies Elsters Anwältin bemerkte und den vermeintlichen Augenzeugen damit konfrontierte, musste der Beamte zugeben, dass er den eigentlichen Vorgang, also das Fallenlassen eines Gegenstandes, nicht beobachtet hatte. Vielmehr hatte er diesen lediglich in der Nähe des Dynamofan Elster liegen sehen und ihm zugeordnet.

Wer nun an einen Freispruch und späte Gerechtigkeit denkt, der irrt sich. Das Amtsgericht Freiburg sah es trotz der wenig erkenntnisreichen Aussage des Beamten als erwiesen an, dass Emil Elster am 25.10.2017 im Rahmen einer polizeilichen Kontrolle einen Vermummungsgegenstand zu Boden habe fallen lassen, den er zuvor mit sich geführt haben soll – indem das Amtsgericht den Betroffenen allerdings “nur” zu einer Geldbuße in Höhe von 200 Euro verurteilte, wurde ihm ein zusätzliches Ei ins Nest gelegt. Dadurch konnte nicht ohne weiteres das Rechtsmittel der Rechtsbeschwerde genutzt werden, da bei Geldbußen von bis zu 250 Euro die Rechtsbeschwerde erst durch das Beschwerdegericht zugelassen werden muss.

Auf Anraten seiner Anwältin beließ Emil Elster ein weiteres Vorgehen gegen diese Geldbuße. Die Schwarz-Gelbe Hilfe beteiligte sich an den Anwaltskosten, welche durch die zwei Verhandlungstage am Amtsgericht Freiburg nun auf einen unteren vierstelligen Betrag angewachsen waren, nahezu deckend. Rechtliche Schritte gegen den leitenden Sachbearbeiter aufgrund der Weitergabe der Ermittlungsakte an den Zeugen wurden eingeleitet.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Polizeieinsatzzahlen bei Heimspielen der SGD

Sicherlich habt ihr Euch alle schon einmal gefragt, wieviel Polizei eigentlich bei Spielen rund um das Rudolf-Harbig-Stadion im Einsatz sind. Wir, die Schwarz-Gelbe Hilfe, haben uns mal die Mühe gemacht und sämtliche parlamentarische Anfragen des sächsischen Landtagsabgeordneten Enrico Stange (DIE LINKE) zusammengesammelt. In diesen wurden die Einsatzzahlen der Polizei rund um die Heimspiele unserer Sportgemeinschaft Dynamo Dresden in der Saison 2017/18 zusammengetragen. Wir haben den Versuch einer statistischen Auswertung gewagt und uns dazu einige Fragen gestellt: Wie hoch ist die Anzahl an Einsatzkräften im Schnitt? Wieviel Einsatzstunden entstanden bei allen Heimspielen? Wie verhalten sich diese pro Einsatzkraft? Außerdem versuchen wir einen kleinen Ausblick in die derzeit laufende Saison 2018/19 zu geben. Wie verhielten sich die Einsatzzahlen in der Hinrunde? Was hat sich dramatisch geändert? Read More…

Offene Fragen aufgrund Videoüberwachung der Dynamofandemo am 3. März 2019

Am 03.03.2019 fand eine Fandemonstration, organisiert durch die Schwarz-Gelbe Hilfe e.V., gegen das neue sächsische Polizeigesetz statt. Dynamofan und Rechtsanwältin Linda Röttig fungierte als Versammlungsleiterin für die Anmeldung, Durchführung und Beachtung der Auflagen. Eine Woche vor der Versammlung fand im Ortsamt Dresden-Altstadt ein sogenanntes Kooperationsgespräch mit Mitarbeitern der Versammlungsbehörde, Vertretern der sächsischen Polizei und Frau Röttig inklusive zweier Begleitpersonen statt. Im Rahmen dieses Gesprächs wurde die Zurückhaltung seitens der Polizei versprochen. Auch sicherte die Polizei der Versammlungsleiterin zu, dass man die Versammlung nicht filmen werde, es sei denn, es werden Rechtsverstöße begangen. Befürchtungen über das Entzünden von pyrotechnischen Gegenständen wurden von Seiten der Beamten geäußert, welche allerdings von unserer Seite keiner weiteren Beachtung geschenkt wurde.
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