Gerichtsverfahren wird zur Farce

Viele der schwarz-gelben Anhänger werden das DFB-Pokalspiel beim SC Freiburg am 25.10.2017 in schlechter Erinnerung haben. Neben einer 3:1-Niederlage und dem damit verbundenen vorzeitigen Aus im DFB-Pokal, herrschten im und um das Freiburger Dreisamstadion skandalöse Zustände. Unsere schwarz-gelbe Mannschaft konnte in den 90 Minuten nicht auf die übliche Unterstützung der Fans bauen. Stundenlange Ingewahrsamnahmen von mehr als 200 Dynamofans im Freiburger Stadtgebiet, willkürliche Kontrollen vor und nach dem Spiel von Seiten der Polizei sind nur wenige Punkte eines komplett auf Eskalation ausgelegten Einsatzkonzeptes seitens der Freiburger Polizeiführung, welches die mitgereisten Dynamofans nicht zum Support hinreißen ließen. Wir berichteten damals über polizeiliches Fehlverhalten direkt im Anschluss des Spiels.

Heute wollen wir über einen einzelnen Dynamofan, nennen wir ihn Emil Elster, berichten, dessen Erfahrungen mit diesem unfairen Spiel nicht am Pokalabend endeten. Denn Emil Elster erhielt nach dem Spiel eine Bußgeldbescheid über 330 € – der Vorwurf: Mitführen eines Vermummungsgegenstandes. Das Zustandekommen dieses Bescheides ist schlichtweg skandalös. Dynamofan Emil zog am Pokalabend mit einer ca. 30-köpfigen Gruppe von schwarz-gelben Anhängern fußläufig zum Dreisamstadion. Unterwegs wurde diese Gruppe von der Polizei gestoppt und die Personalien kontrolliert. In Folge dieser Überprüfungen entdeckten die Polizisten in der Gruppe einen Schlauchschal, welcher am Boden lag und ordneten diesen nun wahllos Emil Elster zu, worauf er sofort bestritt, dass dieser Gegenstand ihm gehöre. Doch das nützte nichts, stattdessen verbrachte Emil Elster das Spiel auf der Stadionwache um weitere polizeiliche Maßnahmen über sich ergehen zu lassen.

Emil Elster sah sich im Recht, ging in Einspruch gegen den Bescheid und nahm sich einen Rechtsbeistand. Angesetzt wurde eine Verhandlung über diese vermeintliche Ordnungswidrigkeit am Amtsgericht Freiburg. Doch Emils Glaube an den vermeintlichen Rechtsstaat sollte sich im Laufe der zwei Verhandlungstage um ein weiteres Mal erschüttern. Der einzige Zeuge, ein an dem Abend eingesetzter Polizeibeamter, konnte sich in der Hauptverhandlung nicht mehr aus eigener Kraft an den Vorfall erinnern. Vielmehr war ihm zuvor die gesamte Ermittlungsakte durch den Hauptsachbearbeiter des Falls für seine Zeugenaussage überlassen worden und in die er immer wieder während seiner Aussage schaute. Nur auf dieser Grundlage war der Polizeibeamte überhaupt dazu in der Lage Angaben zur Sache zu machen. Nachdem dies Elsters Anwältin bemerkte und den vermeintlichen Augenzeugen damit konfrontierte, musste der Beamte zugeben, dass er den eigentlichen Vorgang, also das Fallenlassen eines Gegenstandes, nicht beobachtet hatte. Vielmehr hatte er diesen lediglich in der Nähe des Dynamofan Elster liegen sehen und ihm zugeordnet.

Wer nun an einen Freispruch und späte Gerechtigkeit denkt, der irrt sich. Das Amtsgericht Freiburg sah es trotz der wenig erkenntnisreichen Aussage des Beamten als erwiesen an, dass Emil Elster am 25.10.2017 im Rahmen einer polizeilichen Kontrolle einen Vermummungsgegenstand zu Boden habe fallen lassen, den er zuvor mit sich geführt haben soll – indem das Amtsgericht den Betroffenen allerdings “nur” zu einer Geldbuße in Höhe von 200 Euro verurteilte, wurde ihm ein zusätzliches Ei ins Nest gelegt. Dadurch konnte nicht ohne weiteres das Rechtsmittel der Rechtsbeschwerde genutzt werden, da bei Geldbußen von bis zu 250 Euro die Rechtsbeschwerde erst durch das Beschwerdegericht zugelassen werden muss.

Auf Anraten seiner Anwältin beließ Emil Elster ein weiteres Vorgehen gegen diese Geldbuße. Die Schwarz-Gelbe Hilfe beteiligte sich an den Anwaltskosten, welche durch die zwei Verhandlungstage am Amtsgericht Freiburg nun auf einen unteren vierstelligen Betrag angewachsen waren, nahezu deckend. Rechtliche Schritte gegen den leitenden Sachbearbeiter aufgrund der Weitergabe der Ermittlungsakte an den Zeugen wurden eingeleitet.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Da wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder

Es ist der 11. September 2016. Die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden spielt nach dem skandalisierten DFB-Pokalspiel mal wieder im Niedersachsenstadion gegen die 96er aus Hannover. Vor dem Spiel sonnen sich viele schwarz-gelbe Fans bei spätsommerlichem Wetter am Maschsee unweit des Stadions. Alles bleibt ruhig, nur die erneut katastrophale Einlasssituation, provoziert durch die niedersächsische Polizei, erinnern die Meisten an das DFB-Pokalspiel am Reformationsfeiertag 2012. Doch auch das wird durch den 2:0-Auswärtssieg der SGD bald in Vergessenheit geraten. 90-minütige Siegesstimmung der zu tausenden angereisten Schlachtenbummler der SGD, Loblieder auf den eigenen Verein wechseln mit Hohn und Spott für den ehemaligen Bundesligisten. Auch Dynamofan Ludwig Liedermacher*, seit mehreren Jahren einer der Einpeitscher mit Megafon aus dem K-Block, ist mit dem Sieg der Sportgemeinschaft auf dem Rasen und den Rängen des Niedersachsenstadions zufrieden.

Doch die damalige Freude wird im darauffolgenden Sommer 2017 jäh getrübt: Ludwig Liedermacher erhält einen Strafbefehl. Der Vorwurf darin lautet, dass er während der Ruhephase des bekannten Stadionklassikers der SGD – “Die Legende aus Elbflorenz – der Verein mit den besten Fans” eine eher unbekannte Liedzeile angestimmt haben soll. Anstatt des gängigen Textes warf ihm die Staatsanwaltschaft vor, “Für jedes Stadionverbot, schlagen wir einen Bullen tot.” gesungen zu haben. Im Juristendeutsch bedeutete diese “Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten” nach §126 StGB für den leidenschaftlichen Anhänger unserer Mannschaft einen Strafbefehl in einer Höhe von 900€.

Mit dieser schlechten Nachricht wendete sich Ludwig Liedermacher aufgrund seiner langjährigen Mitgliedschaft sofort an die Schwarz-Gelbe Hilfe. Nach Hinzuziehung eines Anwalts und Einlegung eines Widerspruch folgte die Hauptverhandlung im November 2017 am Amtsgericht Hannover. Einer der als Zeugen vernommenen Polizisten gab an, dass er aus dutzenden Metern Entfernung diese veränderte Liedzeile, trotz ständigen Einsatz des Megafons, dem Angeklagten von den Lippen abgelesen zu haben. Wo für jeden normalen Menschenverstand die Sache mit einem müden Lächeln und einem beruhigenden Schulterklopfer für die Beamten der am Spieltag eingesetzten Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (kurz: BFE) erledigt wäre, zeigte der zuständige Richter, was er von den vermeintlich bürgerkriegsähnlichen Zuständen in bundesweiten Stadien hielt und holte zu einem Rundumschlag gegen sämtliche Fußballfans aus. Das Urteil folgte prompt – neben einer Geldstrafe, welche trotz dürftiger Beweislage auf 3.600€ erhöht wurde, setzte er als https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/deutscher-verkehrsgerichtstag-vgt-fahrverbot-nebenstrafe-massive-kritik/ Nebenstrafe zwei Monate Fahrverbot an.

Ludwig Liedermacher fühlte sich von dem Urteil überrumpelt, lies sich allerdings davon nicht einschüchtern. Durch die bundesweite Vernetzung der Fanhilfen nahm die Schwarz-Gelbe Hilfe Kontakt zu den dortigen Kollegen auf.
Da es auch galt, weitere unnötige Reisekosten zu minimieren, wurde das Mandat an den ortsansässigen Strafverteidiger der Fanhilfe Hannover übergeben.
Schnell wurde Berufung gegen das erste Urteil des Amtsgericht eingelegt und Anfang März folgte die Verhandlung am Landgericht Hannover. Neben den Polizisten der BFE, die wohl einigen Fußballfans ihre Wünsche nicht nur sprichwörtlich von den Lippen ablesen können, wurden mehrere vermeintliche Video- und Audiobeweise abgespielt – in denen jedoch weder etwas zu hören, noch etwas zu sehen war. Ebenfalls wurde durch diese sogenannten Berufszeugen behauptet, dass das geläufige Wedeln mit den Arme während der Ruhephase des Liedes zum Verschleiern solcher Straftaten genutzt wird. Die Staatsanwaltschaft lud sogar die sogenannten szenekundigen Beamten(SKB) aus Dresden vor, um dem Landgericht wohl darzulegen, was Herr Liedermacher, trotz fehlender Eintragungen im Bundeszentralregister, für ein schlimmer Finger sei. Allerdings konnten diese wagemutigen Behauptungen nicht bestätigt werden – im Gegenteil – zwischen den Aussagen der BFE-Polizisten und den SKBs kam es nun zu deutlichen Widersprüchen, die in der Verhandlung allerdings nicht aufgelöst wurden.

Letztlich sprach der Richter allen Aussagen durch die Polizeibeamten zum Trotz, nach mehreren Stunden Verhandlung am Landgericht Hannover Ludwig Liedermacher von den Anschuldigungen frei und revidierte somit das Urteil aus erster Instanz. Bemerkenswert ist übrigens auch, dass der Richter der ersten Instanz das Fahrverbot hätte gar nicht aussprechen dürfen. Diese Möglichkeit war zum Zeitpunkt der Tat rechtlich noch gar nicht gegeben. Damit wurde verstieß der Richter am Amtsgericht sogar gegen das Gesetzlichkeitsprinzip, welches u.a. in Art. 103 II des Grundgesetzes oder § 1 des Strafgesetzbuches zu finden ist. Denn eine Tat kann nur dann bestraft werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor diese Tat begangen wurde. Im Fall des Fahrverbots als Nebenstrafe war dies nicht der Fall. Sämtliche Kosten und Auslagen des Betroffenen übernimmt nun die Staatskasse.

Der Verlauf dieses Falls zeigt erneut anschaulich, wie wichtig eine Mitgliedschaft in der Schwarz-Gelben Hilfe ist. Durch die ihm angebotene Unterstützung war das Mitglied nicht in der finanziellen Zwickmühle, um abzuwägen, ob er den Strafbefehl oder gar das Urteil vom Amtsgericht Hannover annehme sollte. Durch die solidarische Gemeinschaft im Hintergrund ist das Überprüfen solch vorschneller und fehlerhafter Urteile kein unabwägbares Risiko mehr. Erst ein Anwalt, der eure Interessen als Beschuldigter vertritt, sollte entscheiden, ob eine Strafe, zur Beweislage und den Vorwürfen, angemessen ist. Werdet daher Mitglied in der Schwarz-Gelben Hilfe und unterstützt mit Eurem Mitgliedsbeitrag nicht nur Euch selbst, sondern auch anderen Dynamofans in Not.

Allein machen sie Dich ein – Schwarz-Gelbe Hilfe

*Name durch die SGH geändert

Vermeintlicher Tritt endet mit Freispruch

Mit den tumultartigen Szenen und Auswirkungen rund um das entscheidende Aufstiegsspiel der SG Dynamo Dresden im Magdeburger Heinz-Krügel-Stadion am 16.04.2016 beschäftigt sich die Schwarz-Gelbe Hilfe bis zum heutigen Tag. Mit der kollektiven Aussperrung von mehr als eintausend Fans der schwarz-gelben Kicker, den willkürlich ausgesprochenen Stadionverboten von Seiten des 1. FC Magdeburg, dem juristischen Nachspiel aufgrund vermeintlich strafbarer Handlungen einiger mitgereister Fans, aber auch der massiven Polizeigewalt rund um diesen Spieltag beschäftigten sich bis heute etliche Behörden, Gerichte und sogar Länderparlamente. Read More…

Schlauchschals und kein Ende

Spätestens mit den letzten Spielen der Hinrunde 2018/19 ist wieder die kalte Jahreszeit rund um die Fußballstadien angebrochen. Nasskaltes Wetter, Temperaturen rund um den Gefrierpunkt, Erkältungen und Grippewellen bestimmen den Alltag. In den letzten Jahren ist eben zu dieser Jahreszeit ein praktisches und modisches Kleidungsstück ziemlich in Mode gekommen – der sogenannte Schlauchschal. Read More…

Amtsgericht stellt Stadionverbotspraxis in Frage

Der Deutsche Fußball Bund (DFB) hat ein Verfahren am Amtsgericht Frankfurt gegen einen Fan von Hannover 96 verloren. Gegen den Anhänger war ein Stadionverbot verhängt worden, welches nach Ansicht des Gerichts aber rechtswidrig sei, weil “keine hinreichende Tatsachengrundlage” bestanden habe, “welche die Besorgnis künftiger Störungen erwarten” lasse.
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Verfahren gegen Polizeibeamte eingestellt

Im Zuge der Auseinandersetzungen rund um die Fußballpartie 1.FC Magdeburg – SG Dynamo Dresden am 16. April 2016, bei dem über 1000 Dynamofans durch ein kollektives Hausverbot ausgesperrt wurden, kam es im Rahmen von Kontrollen im Eingangsbereichs des Gästeblocks sowie während der Räumung des vorgelagerten Bereichs zu massiven Übergriffen und Fehlverhalten von Seiten der eingesetzten Polizeikräfte. Read More…

Vermeintlicher Landfriedensbruch endet vor Gericht

Nachdem es nach dem Spiel der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden gegen die Zweitvertretung der Borussia aus Dortmund (21.11.2014) zu Tumulten im Hinterbereich des K-Blockes mit dem Ordnungsdienst und der später herbeieilenden Polizei kam, wurde Ende Oktober 2017 ein Dynamofan vor Gericht freigesprochen. Zwei weitere Anhänger der Schwarz-Gelben mussten sich mit einer Einstellung nach §153a, also gegen Geldauflagen, begnügen. Read More…

Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Mottofahrt eingestellt

Am 4. März 2017 spielte der FSV Zwickau zu Gast beim Fußballclub Rot-Weiß Erfurt. Mit von der Partie waren etwa 150 befreundete Fans und Anhänger der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden und unzählige rote und gelbe Mottojacken, die für ein einheitliches Bild beim Marsch zum und im Gästeblock des Steigerwaldstadion sorgten. Doch so einfach wie eine Mottofahrt klingt, verlief der Spieltag bei weiten nicht. Read More…

Aus dem Dickicht der Wuhlheide

Anfang August wurde ein Dynamofan vor dem Berliner Amtsgericht Köpenick freigesprochen. Der Vorwurf lautete versuchte gefährliche Körperverletzung, begangen beim Auswärtsspiel am 15.08.2016 im Köpenicker “Stadion an der Wuhlheide”. Soweit so gut, würden nicht die haaresträubenden Anschuldigungen in den Berliner Amtsstuben wie ein Heldenepos herumgeistern. Read More…

Böllerwurf bleibt ungeklärt – Dynamofan freigesprochen

Es ist der 11.05.2014. Die SG Dynamo Dresden liegt in der 63. Minute in Überzahl gegen den direkten Abstiegskonkurrenten Arminia Bielefeld mit 0:2 hinten. Aus dem K-Block steigen schwarze Rauchwolken auf. Die Fans packen ihre Zaunfahnen ein, Leuchtraketen fliegen und Böller explodieren. Einer der Böller, die dabei aufs Spielfeld flogen, ging knapp neben Arminias Stürmer Kacper Przybylko hoch. Der Abstieg aus der zweiten Liga scheint besiegelt. Nach der 15-minütigen Spielunterbrechung spielt die Dynamomannschaft wie ausgewechselt. Eine Aufholjagd beginnt, die am Ende dennoch mit 2:3 unglücklich verloren geht. Der K-Block lässt der Abstiegsmannschaft gnädigerweise eine Stunde Zeit, um die Stadt zu verlassen. Read More…