Und die Moral von der Geschicht? Selbst das SEK verhindert Dynamo nicht! – Teil 1

Und mit diesem leicht abgewandelten Spruchband aus der Vorsaison heißen wir Euch herzlich Willkommen beim diesjährigen Saisonrückblick der Schwarz-Gelben Hilfe. So mancher Dynamofan wird froh sein, diese grauenvolle Spielzeit endlich abgehakt zu haben. Auch für uns war die Spielzeit 2018/19 wieder geprägt von Siegen und Niederlagen, von guten wie schlechten Zeiten. Doch in diesem Saisonrückblick wollen wir den Fokus nicht auf die üblichen Einzelschicksale der von Repressionen betroffenen Dynamofans richten. Das Augenmerk liegt auf dem polizeilichen Handeln, das vermehrt einen Großteil von Dynamofans an Spieltagen trifft. Eine gefährliche Entwicklung macht sich in der Bundesrepublik Deutschland breit. Die Allmacht der Polizei wird Gesetz. Jener Rechtsstaat, der uns Bürger, also auch uns Fußballfans, vor staatlichem Fehlverhalten schützen soll, wandelt sich immer mehr in einen Rechtsstaat, der sich selbst zu schützen versucht. Grund hierfür ist die bundesweite Verschärfung der Polizeigesetze. Aber auch Innenminister, die den Kontroll- und Überwachungsstaat fordern und ihre handelnde Exekutive, sprich Polizeieinheiten, mit immer neuen weitreichenden Befugnissen und allumfassenden Schutz aufrüsten, tragen dazu bei. Neben der üblichen Verfahrensbegleitung einzelner Dynamofans, die Probleme mit Polizei und Justiz bekommen haben, richtet sich unsere Aufmerksamkeit deshalb immer mehr auf die generelle Überprüfung polizeilichen Handelns. Im Unterschied zu so manch “medialem Lautsprecher” wollen wir an dieser Stelle keine Effekthascherei betreiben und holen auch nicht zum großen Rundumschlag aus. Es reicht allein, das ein oder andere Ereignis aus der letzten Saison noch einmal zu beleuchten, um zu sehen, welch schleichender Prozess in Gang gesetzt wurde.

Zukunftsbilder in Köln

Im November 2018 trat unsere Sportgemeinschaft in der Kölner Domstadt zum Auswärtsspiel an. Auf einer sehr unterhaltsamen Pressekonferenz einige Tage vor dem Spiel machte die Kölner Polizei deutlich, dass sie nicht gerade das unaufgeregte polizeiliche Handeln erfunden hat. “Das alles wollen wir in Köln hier nicht sehen…” – oder auch: die perfekte Medieninszenierung der Kölner Polizei. Viele rieben sich verwundert die Augen oder schüttelten den Kopf als Sätze, wie: “Es liegen Erkenntnisse vor, dass die Dresdner Fans einen Fanmarsch planen.” fielen. Nur durch “intensivste Vorabermittlungen” der Kölner Polizei konnte man an solch brisante Informationen gelangen – jedoch hatten die Vereinsführung und die Fanbetreuung zuvor die Möglichkeit eines solchen Marsches angefragt. Erst dadurch hatte die Kölner Polizei Kenntnis eines eventuellen Marsches erlangt.. Das Highlight folgte dann am Spieltag selbst, als bis zu 50 Polizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) rund um das Müngersdorfer Stadion auf die mitgereisten Dynamos warteten. Die beste Antwort auf dieses ganze Theater lieferten die Fans selbst in Form eines grandiosen Auswärtsauftritts, inklusive großer schwarz-gelber Rauchshow und einem besonnenen Verhalten, welches das polizeiliche Theater ins Leere laufen ließ. Selbst nach Ende des Spiels stand das SEK-Abwehrbollwerk des selbsternannten freiheitlich-demokratischen Nordrhein-Westfalens wie eine Eins, was sich von unserer sportlichen Defensive nach einer 8:1-Niederlage leider nicht behaupten ließ.

Aufrüstung auch in Hamburg

Ganz ähnliche Töne wurden nach dem Jahreswechsel 2018/19 in Hamburg laut. Es näherte sich unser Auswärtsspiel beim längst ausgestorbenen HSV-Dinosaurier. Auch hier kündigte die Hamburger Polizei eine Null-Toleranz-Schiene an und reagierte somit nicht gerade deeskalierend auf das sowieso angespannte Verhältnis zwischen Dynamofans und der Hamburger Polizei. Zur Erinnerung: Beim Spiel der schwarz-gelben Kicker am Millerntor im Dezember 2018 folgte auf das Fehlverhalten einiger Dynamofans ein Polizeieinsatz, der aus unserer Sicht völlig orientierungs- und planlos war. Pfefferspray und Schlagstock wurden damals gegen alles und jeden eingesetzt. Das Ergebnis waren mehrere Ingewahrsahmnahmen und eine große Zahl noch immer laufender Gerichtsverfahren gegen Dynamofans. Das Spiel beim HSV stand daher nicht gerade unter einem guten Stern. Einige Hamburger Boulevardblätter fantasierten schon im Vorfeld über hereinbrechende Hooliganhorden in der Hansestadt. Die Polizei rüstete am Spieltag typisch freiheitlich hanseatisch auf und so standen neben dutzenden Hundertschaften auch Wasserwerfer und Räumpanzer bereit. Ein Fanmarsch, welcher von einem Einkaufszentrum zum Volkspark zog, zeigte, wie dünn die Reißleine zur Eskalation auf Seiten der Hamburger Polizeieinsatzleitung war. Nachdem ein pyrotechnischer Gegenstand gezündet wurde, bezogen sofort BFE-Einheiten und oben genannte Einsatzgeräte Stellung und stoppten den Marsch. Nur durch das deeskalierende Verhalten der Dresdner Fans konnte der Fanmarsch schließlich fortgesetzt werden. Am Einlass folgte für einen ehemaligen Bundesligisten unwürdigste Bedingungen. Im Stadion selbst zeigten die Schlachtenbummler der SGD eine der größten Bengalenshows bei einem Auswärtsauftritt unserer Mannschaft, welche sogar im Nachgang die Debatte in der bundesdeutschen Medienwelt über die Frage nach der Legalisierung von Pyrotechnik wieder anheizte. Beim Abmarsch der Fans nach dem Spiel kam es leider zu einem äußerst tragischen Vorfall, der uns -und vor allem die Angehörigen- nach wie vor stark beschäftigt. Genauer können und wollen wir an dieser Stelle aus Respekt vor den Angehörigen und aufgrund eines laufenden Verfahrens nicht werden.

Gefahrenabwehr in Duisburg und Darmstadt

Auch vermeintlich kleinere Auswärtsspiele wurden durch polizeiliche Maßnahmen für viele mitgereisten Dynamofans zu einer Zerreißprobe. “Im Rahmen der Gefahrenabwehr” sollte das letzte Spiel des Jahres 2018 in Duisburg ein besonderes werden. Aufgrund einer vorausgegangen kleinen Rangelei einzelner Dynamofans mit dem Ordnungsdienst am Einlass des Wedaustadions erfolgte die Kesselung und der Ausschluss von etwas mehr als 250 Dynamofans vom Spiel. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen zeigte erneut ihre bürgerrechtsfeindlichen Zähne und ließ später über deren Medien verlauten, dass dies ein geplanter Sturm des Stadions gewesen wäre, um pyrotechnische Gegenstände ins Stadion zu bringen. Gefunden wurde allerdings bei den betroffenen Dynamofans nichts. Stattdessen durfte man mit Sicht auf das Stadionäußere im Nieselregen warten bis man zur persönlichen Kontrolle abgeholt wurde. Die schwarz-gelben Anhänger, welche schon im Gästeblock auf die aktive Fanszene warteten, zeigten sich solidarisch, versuchten den Block zu verlassen, was ihnen allerdings aufgrund polizeilicher Gegenwehr untersagt wurde, und somit schwiegen sie die komplette Spielzeit. Vor Ort waren wir, die Schwarz-Gelbe Hilfe, leider erst einmal machtlos, doch wir werden sehen, was die juristische Überprüfung im Nachgang bringen wird. Ähnliches Schicksal erlitten die Insassen von vier Kleinbussen nach dem Spiel beim SV Darmstadt: Die eingesetzten hessischen Polizeibeamten versuchten krampfhaft ein textiles Beweismittel zu finden, welches zuvor ihren Dienstherren Peter Beuth (hessischer Innenminister mit CDU-Parteibuch) als Sohn eines Freudenmädchens beleidigte. Hintergrund des Spruchbandes war der völlig überzogene Polizeieinsatz seines gehorsamen Fußvolkes am Rande des Europapokalspiels der Frankfurter Eintracht gegen Shakhtar Donetsk und die Durchsuchung des Choreomaterials nach einem Spruchband, welches ihn als einen “Ficker” bezeichnet haben soll. Auf dem Darmstädter Gästeparkplatz konnte der Tatgegenstand allerdings trotz stundenlanger Durchsuchungen nicht gefunden werden, Ermittlungen wegen Beleidigung Peter Beuths sind uns bisher ebenfalls nicht bekannt. Auch hier geht ein Dank an die wartenden Dynamofans, die sich solidarisch mit den betroffenen Fußballfans zeigten.

Und die Moral von der Geschicht? Selbst das SEK verhindert Dynamo nicht! – Teil 2

Die Folgen aus Karlsruhe & Magdeburg
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Ein Buchstabe erregt die Gemüter – RED KAOS – eine rechtlichen Einordnung

Es ist der 30.07.2019 – eine Meldung verbreitet sich in den sozialen Medien und auf diversen (un-)bekannten Fußballfanplattformen wie ein Lauffeuer – unsere Freunde aus Zwickau, die Ultragruppe RED KAOS 1997, fährt nicht zum Auswärtsspiel zu den Münchner Löwen. Auslöser sind die Meldungen des FSV Zwickau und des Fanprojekt Zwickau über ein angebliches Verbot der Auswärtssfahne der Zwickauer Ultras und, dass eben diese treuen Anhänger der Westsachsenkicker nun daraufhin nicht nach München reisen werden. Read More…

Zug um Zug – Vorwürfe der Bundespolizei bleiben ungeklärt

In der jüngeren Vergangenheit sahen sich einige Dynamofans mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung (§ 303 StGB) seitens der Bundespolizei konfrontiert. In Zuge dessen wurde ebenfalls der Verdacht erhoben, dass die Beschuldigten Dynamofans Verunreinigung von Bahnanlagen, Betriebsteinrichtungen oder eines Fahrzeuges vorgenommen haben, was eine Ordnungswidrigkeit nach § 64b der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) darstelle.
Die Vorwürfe klangen immer wieder gleich: Die beschuldigten Schlachtenbummler sollen bei Zugfahrten zu Auswärtsspielen der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden die im Verkehrsmittel befindlichen Kameras abgeklebt haben, um die Aufklärung möglicher Straftaten und Ordnungswidrigkeiten zu verhindern. Nach Ankunft der Züge sollen diese nun in einem verschmutzen Zustand vorgefunden worden sein.
Nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen wurden diese Vorwürfe in den meisten Fällen aus unterschiedlichen Gründen seitens der Staatsanwaltschaft eingestellt. Doch eine Staatsanwaltschaft in der sächsischen Provinz beließ es nicht bei einer Einstellung und so erhielt der Betroffene einen Strafbefehl in Höhe von 30 Tagessätzen á 40,00€ – also insgesamt 1.200 €.

Mit der Hilfe der Schwarz-Gelben Hilfe wurde nun eine Anwältin eingeschaltet, die für den Dynamofan in Einspruch ging und die Vorwürfe mittels Akteneinsicht prüfte. Die restliche Geschichte ist nun sehr schnell erzählt, denn die Beweislage gegen den Dynamofan war sehr dünn und die Gerichtsverhandlung am Amtsgericht Kamenz dauerte gerade einmal sechs Minuten! Die Bilder von einer anderen Überwachungskamera zeigten zwar den betroffenen Fan und dass er sich zum Zeitpunkt der vermeintlichen Tat unglücklicherweise in der Nähe des Tatorts aufhielt. Allerdings blieb unklar, ob und vorallem wer eine Kamera mittels Aufkleber überklebte. Dies war gar nicht zu erkennen. Dem Richter wurde die Klärung des Sachverhalts wohl zu umständlich und so stellte er das Gerichtsverfahren nach § 153 StPO ein. Des Weiteren beschloss er, dass alle Auslagen, sprich Gerichts- und Anwaltskosten, der Staat tragen muss.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Erfolgreiche Löschung einer ED-Behandlung

Beim letzten Auswärtsspiel der SG Dynamo Dresden im Kieler Holsteinstadion kam es im Vorfeld der Partie zu mindestens zwei Ingewahrsamnahmen. Die eingesetzten Polizisten rechtfertigten diese Maßnahme mit schwammigen und wirren Vorwürfen gegen diese beiden Dynamofans. Doch den Anschuldigungen nicht genug, setzten die Polizisten auf der Wache noch eins drauf – es folgte bei beiden Dynamofans eine erkennungsdienstliche Behandlung. Auf Nachfrage der beiden Betroffenen wurde keinerlei Begründung für diese Maßnahme geliefert, auch belehrte die Polizei die beiden Anhänger nicht über ihre Rechte. Als diese nun die Schwarz-Gelbe Hilfe und die mitgereiste Anwältin informieren wollten, wurde ihnen ein Telefonat verweigert. Aus Angst vor weiteren Konsequenzen
oder gar einem Strafverfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ließen beide die Maßnahmen über sich ergehen. Es wurden nun Fotos geschossen, Finger- und Handabdrücke genommen. Pünktlich nach Spielende wurden beide aus dem Polizeipräsidium entlassen – 1.120 km An- und Abreise umsonst.

Zu Hause angekommen, meldeten sich beide Dynamofans umgehend bei der Schwarz-Gelben Hilfe. Gegen die vermeintliche mündliche Anordnung, wobei jegliche Begründung durch die Polizei fehlte, auf der die erkennungsdienstliche Behandlung beruhte, legte deren Anwältin Widerspruch ein. Problematisch war hierbei, dass der Verwaltungsakt mündlich erlassen und nicht schriftlich dokumentiert wurde.
Dadurch wird das Vorgehen gegen den Verwaltungsakt erheblich erschwert. Dennoch hatte die Anwältin im Ergebnis Erfolg: Zwar argumentierte die Polizei, dass die Anordnung der ED-Behandlung rechtmäßig war. Die Anordnung dieser polizeilichen Maßnahme wäre aber rein präventiv gewesen. Dies bedeutet, dass die ED-Maßnahme durchgeführt wurden wäre, um die beiden Dynamofans bei etwaigen zukünftigen Straftaten besser identifizieren zu können und nicht wie angenommen, zur Aufklärung einer vermeintlichen Straftat in der Vergangenheit. Die Polizei sicherte jedoch gleichzeitig zu, dass sämtliche Daten (Fotos und Finger- sowie Handflächenabdrücke) aus den Datenbanken gelöscht werden. Woher nun die plötzliche Kehrtwende der Kieler Polizei, trotz vermeintlicher Rechtssicherheit kam, kann sich nun wohl ein jeder denken…!

Die anfallenden Anwaltskosten beglich die Schwarz-Gelbe Hilfe vollständig.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Gerichtsverfahren wird zur Farce

Viele der schwarz-gelben Anhänger werden das DFB-Pokalspiel beim SC Freiburg am 25.10.2017 in schlechter Erinnerung haben. Neben einer 3:1-Niederlage und dem damit verbundenen vorzeitigen Aus im DFB-Pokal, herrschten im und um das Freiburger Dreisamstadion skandalöse Zustände. Unsere schwarz-gelbe Mannschaft konnte in den 90 Minuten nicht auf die übliche Unterstützung der Fans bauen. Stundenlange Ingewahrsamnahmen von mehr als 200 Dynamofans im Freiburger Stadtgebiet, willkürliche Kontrollen vor und nach dem Spiel von Seiten der Polizei sind nur wenige Punkte eines komplett auf Eskalation ausgelegten Einsatzkonzeptes seitens der Freiburger Polizeiführung, welches die mitgereisten Dynamofans nicht zum Support hinreißen ließen. Wir berichteten damals über polizeiliches Fehlverhalten direkt im Anschluss des Spiels.

Heute wollen wir über einen einzelnen Dynamofan, nennen wir ihn Emil Elster, berichten, dessen Erfahrungen mit diesem unfairen Spiel nicht am Pokalabend endeten. Denn Emil Elster erhielt nach dem Spiel eine Bußgeldbescheid über 330 € – der Vorwurf: Mitführen eines Vermummungsgegenstandes. Das Zustandekommen dieses Bescheides ist schlichtweg skandalös. Dynamofan Emil zog am Pokalabend mit einer ca. 30-köpfigen Gruppe von schwarz-gelben Anhängern fußläufig zum Dreisamstadion. Unterwegs wurde diese Gruppe von der Polizei gestoppt und die Personalien kontrolliert. In Folge dieser Überprüfungen entdeckten die Polizisten in der Gruppe einen Schlauchschal, welcher am Boden lag und ordneten diesen nun wahllos Emil Elster zu, worauf er sofort bestritt, dass dieser Gegenstand ihm gehöre. Doch das nützte nichts, stattdessen verbrachte Emil Elster das Spiel auf der Stadionwache um weitere polizeiliche Maßnahmen über sich ergehen zu lassen.

Emil Elster sah sich im Recht, ging in Einspruch gegen den Bescheid und nahm sich einen Rechtsbeistand. Angesetzt wurde eine Verhandlung über diese vermeintliche Ordnungswidrigkeit am Amtsgericht Freiburg. Doch Emils Glaube an den vermeintlichen Rechtsstaat sollte sich im Laufe der zwei Verhandlungstage um ein weiteres Mal erschüttern. Der einzige Zeuge, ein an dem Abend eingesetzter Polizeibeamter, konnte sich in der Hauptverhandlung nicht mehr aus eigener Kraft an den Vorfall erinnern. Vielmehr war ihm zuvor die gesamte Ermittlungsakte durch den Hauptsachbearbeiter des Falls für seine Zeugenaussage überlassen worden und in die er immer wieder während seiner Aussage schaute. Nur auf dieser Grundlage war der Polizeibeamte überhaupt dazu in der Lage Angaben zur Sache zu machen. Nachdem dies Elsters Anwältin bemerkte und den vermeintlichen Augenzeugen damit konfrontierte, musste der Beamte zugeben, dass er den eigentlichen Vorgang, also das Fallenlassen eines Gegenstandes, nicht beobachtet hatte. Vielmehr hatte er diesen lediglich in der Nähe des Dynamofan Elster liegen sehen und ihm zugeordnet.

Wer nun an einen Freispruch und späte Gerechtigkeit denkt, der irrt sich. Das Amtsgericht Freiburg sah es trotz der wenig erkenntnisreichen Aussage des Beamten als erwiesen an, dass Emil Elster am 25.10.2017 im Rahmen einer polizeilichen Kontrolle einen Vermummungsgegenstand zu Boden habe fallen lassen, den er zuvor mit sich geführt haben soll – indem das Amtsgericht den Betroffenen allerdings “nur” zu einer Geldbuße in Höhe von 200 Euro verurteilte, wurde ihm ein zusätzliches Ei ins Nest gelegt. Dadurch konnte nicht ohne weiteres das Rechtsmittel der Rechtsbeschwerde genutzt werden, da bei Geldbußen von bis zu 250 Euro die Rechtsbeschwerde erst durch das Beschwerdegericht zugelassen werden muss.

Auf Anraten seiner Anwältin beließ Emil Elster ein weiteres Vorgehen gegen diese Geldbuße. Die Schwarz-Gelbe Hilfe beteiligte sich an den Anwaltskosten, welche durch die zwei Verhandlungstage am Amtsgericht Freiburg nun auf einen unteren vierstelligen Betrag angewachsen waren, nahezu deckend. Rechtliche Schritte gegen den leitenden Sachbearbeiter aufgrund der Weitergabe der Ermittlungsakte an den Zeugen wurden eingeleitet.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Da wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder

Es ist der 11. September 2016. Die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden spielt nach dem skandalisierten DFB-Pokalspiel mal wieder im Niedersachsenstadion gegen die 96er aus Hannover. Vor dem Spiel sonnen sich viele schwarz-gelbe Fans bei spätsommerlichem Wetter am Maschsee unweit des Stadions. Alles bleibt ruhig, nur die erneut katastrophale Einlasssituation, provoziert durch die niedersächsische Polizei, erinnern die Meisten an das DFB-Pokalspiel am Reformationsfeiertag 2012. Doch auch das wird durch den 2:0-Auswärtssieg der SGD bald in Vergessenheit geraten. 90-minütige Siegesstimmung der zu tausenden angereisten Schlachtenbummler der SGD, Loblieder auf den eigenen Verein wechseln mit Hohn und Spott für den ehemaligen Bundesligisten. Auch Dynamofan Ludwig Liedermacher*, seit mehreren Jahren einer der Einpeitscher mit Megafon aus dem K-Block, ist mit dem Sieg der Sportgemeinschaft auf dem Rasen und den Rängen des Niedersachsenstadions zufrieden.

Doch die damalige Freude wird im darauffolgenden Sommer 2017 jäh getrübt: Ludwig Liedermacher erhält einen Strafbefehl. Der Vorwurf darin lautet, dass er während der Ruhephase des bekannten Stadionklassikers der SGD – “Die Legende aus Elbflorenz – der Verein mit den besten Fans” eine eher unbekannte Liedzeile angestimmt haben soll. Anstatt des gängigen Textes warf ihm die Staatsanwaltschaft vor, “Für jedes Stadionverbot, schlagen wir einen Bullen tot.” gesungen zu haben. Im Juristendeutsch bedeutete diese “Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten” nach §126 StGB für den leidenschaftlichen Anhänger unserer Mannschaft einen Strafbefehl in einer Höhe von 900€.

Mit dieser schlechten Nachricht wendete sich Ludwig Liedermacher aufgrund seiner langjährigen Mitgliedschaft sofort an die Schwarz-Gelbe Hilfe. Nach Hinzuziehung eines Anwalts und Einlegung eines Widerspruch folgte die Hauptverhandlung im November 2017 am Amtsgericht Hannover. Einer der als Zeugen vernommenen Polizisten gab an, dass er aus dutzenden Metern Entfernung diese veränderte Liedzeile, trotz ständigen Einsatz des Megafons, dem Angeklagten von den Lippen abgelesen zu haben. Wo für jeden normalen Menschenverstand die Sache mit einem müden Lächeln und einem beruhigenden Schulterklopfer für die Beamten der am Spieltag eingesetzten Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (kurz: BFE) erledigt wäre, zeigte der zuständige Richter, was er von den vermeintlich bürgerkriegsähnlichen Zuständen in bundesweiten Stadien hielt und holte zu einem Rundumschlag gegen sämtliche Fußballfans aus. Das Urteil folgte prompt – neben einer Geldstrafe, welche trotz dürftiger Beweislage auf 3.600€ erhöht wurde, setzte er als https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/deutscher-verkehrsgerichtstag-vgt-fahrverbot-nebenstrafe-massive-kritik/ Nebenstrafe zwei Monate Fahrverbot an.

Ludwig Liedermacher fühlte sich von dem Urteil überrumpelt, lies sich allerdings davon nicht einschüchtern. Durch die bundesweite Vernetzung der Fanhilfen nahm die Schwarz-Gelbe Hilfe Kontakt zu den dortigen Kollegen auf.
Da es auch galt, weitere unnötige Reisekosten zu minimieren, wurde das Mandat an den ortsansässigen Strafverteidiger der Fanhilfe Hannover übergeben.
Schnell wurde Berufung gegen das erste Urteil des Amtsgericht eingelegt und Anfang März folgte die Verhandlung am Landgericht Hannover. Neben den Polizisten der BFE, die wohl einigen Fußballfans ihre Wünsche nicht nur sprichwörtlich von den Lippen ablesen können, wurden mehrere vermeintliche Video- und Audiobeweise abgespielt – in denen jedoch weder etwas zu hören, noch etwas zu sehen war. Ebenfalls wurde durch diese sogenannten Berufszeugen behauptet, dass das geläufige Wedeln mit den Arme während der Ruhephase des Liedes zum Verschleiern solcher Straftaten genutzt wird. Die Staatsanwaltschaft lud sogar die sogenannten szenekundigen Beamten(SKB) aus Dresden vor, um dem Landgericht wohl darzulegen, was Herr Liedermacher, trotz fehlender Eintragungen im Bundeszentralregister, für ein schlimmer Finger sei. Allerdings konnten diese wagemutigen Behauptungen nicht bestätigt werden – im Gegenteil – zwischen den Aussagen der BFE-Polizisten und den SKBs kam es nun zu deutlichen Widersprüchen, die in der Verhandlung allerdings nicht aufgelöst wurden.

Letztlich sprach der Richter allen Aussagen durch die Polizeibeamten zum Trotz, nach mehreren Stunden Verhandlung am Landgericht Hannover Ludwig Liedermacher von den Anschuldigungen frei und revidierte somit das Urteil aus erster Instanz. Bemerkenswert ist übrigens auch, dass der Richter der ersten Instanz das Fahrverbot hätte gar nicht aussprechen dürfen. Diese Möglichkeit war zum Zeitpunkt der Tat rechtlich noch gar nicht gegeben. Damit wurde verstieß der Richter am Amtsgericht sogar gegen das Gesetzlichkeitsprinzip, welches u.a. in Art. 103 II des Grundgesetzes oder § 1 des Strafgesetzbuches zu finden ist. Denn eine Tat kann nur dann bestraft werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor diese Tat begangen wurde. Im Fall des Fahrverbots als Nebenstrafe war dies nicht der Fall. Sämtliche Kosten und Auslagen des Betroffenen übernimmt nun die Staatskasse.

Der Verlauf dieses Falls zeigt erneut anschaulich, wie wichtig eine Mitgliedschaft in der Schwarz-Gelben Hilfe ist. Durch die ihm angebotene Unterstützung war das Mitglied nicht in der finanziellen Zwickmühle, um abzuwägen, ob er den Strafbefehl oder gar das Urteil vom Amtsgericht Hannover annehme sollte. Durch die solidarische Gemeinschaft im Hintergrund ist das Überprüfen solch vorschneller und fehlerhafter Urteile kein unabwägbares Risiko mehr. Erst ein Anwalt, der eure Interessen als Beschuldigter vertritt, sollte entscheiden, ob eine Strafe, zur Beweislage und den Vorwürfen, angemessen ist. Werdet daher Mitglied in der Schwarz-Gelben Hilfe und unterstützt mit Eurem Mitgliedsbeitrag nicht nur Euch selbst, sondern auch anderen Dynamofans in Not.

Allein machen sie Dich ein – Schwarz-Gelbe Hilfe

*Name durch die SGH geändert

Vermeintlicher Tritt endet mit Freispruch

Mit den tumultartigen Szenen und Auswirkungen rund um das entscheidende Aufstiegsspiel der SG Dynamo Dresden im Magdeburger Heinz-Krügel-Stadion am 16.04.2016 beschäftigt sich die Schwarz-Gelbe Hilfe bis zum heutigen Tag. Mit der kollektiven Aussperrung von mehr als eintausend Fans der schwarz-gelben Kicker, den willkürlich ausgesprochenen Stadionverboten von Seiten des 1. FC Magdeburg, dem juristischen Nachspiel aufgrund vermeintlich strafbarer Handlungen einiger mitgereister Fans, aber auch der massiven Polizeigewalt rund um diesen Spieltag beschäftigten sich bis heute etliche Behörden, Gerichte und sogar Länderparlamente. Read More…

Schlauchschals und kein Ende

Spätestens mit den letzten Spielen der Hinrunde 2018/19 ist wieder die kalte Jahreszeit rund um die Fußballstadien angebrochen. Nasskaltes Wetter, Temperaturen rund um den Gefrierpunkt, Erkältungen und Grippewellen bestimmen den Alltag. In den letzten Jahren ist eben zu dieser Jahreszeit ein praktisches und modisches Kleidungsstück ziemlich in Mode gekommen – der sogenannte Schlauchschal. Read More…

Amtsgericht stellt Stadionverbotspraxis in Frage

Der Deutsche Fußball Bund (DFB) hat ein Verfahren am Amtsgericht Frankfurt gegen einen Fan von Hannover 96 verloren. Gegen den Anhänger war ein Stadionverbot verhängt worden, welches nach Ansicht des Gerichts aber rechtswidrig sei, weil “keine hinreichende Tatsachengrundlage” bestanden habe, “welche die Besorgnis künftiger Störungen erwarten” lasse.
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