Zahlen ohne Anwesenheit?

Mit Verwunderung entnahm der Dynamofan Bernd Böttcher* einem Schreiben der Staatsanwaltschaft Hamburg, dass er, mittels einer Zahlung von 300,00€, das gegen ihn anhängende Strafverfahren einstellen lassen kann – gemäß § 153a StPO. Er soll beim Auswärtspiel der SG Dynamo Dresden bei den Hamburger Kiezkickern am 01.12.2018 mittels eines gefährlichen Gegenstandes den Versuch unternommen zu haben, einen eingesetzten Polizisten zu verletzen.

Bernd traute seinen Augen nicht mehr, war er doch zum vermeintlichen Tatzeitpunkt gar nicht in Hamburg. Aufgrund seiner langjährigen Mitgliedschaft meldete sich bei der Schwarz-Gelbe Hilfe, welche ihm umgehend einen Rechtsbeistand zur Vergfügung stellte.

Durch einen Antrag auf Akteneinsicht konnte schnell Klarheit geschaffen werden. Aufgrund einer Identitätsfeststellung des Dynamofans Bernd bei einem Heimspiel der SGD wurde dieses Bild mit den Bildern der Polizei Hamburg verglichen. Oberflächliche Merkmale stimmten überein, bei genauerer Betrachtung wurde klar – Bernd wurde Opfer einer Verwechslung. Dank eines Beweises, welcher belegte das er nicht mal in der Nähe Hamburgs war, wurde schnell die Unschuld klar.

Das Verfahren wurde nun ohne Geldauflagen gegen den Dynamofan letztendlich Seitens der Staatsanwaltschaft Hamburg gemäß § 170 (2) StPO eingestellt.

Die Schwarz-Gelbe Hilfe übernahm die vollen Anwaltskosten des Mitglieds.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Über 4.000 km bis zum Freispruch

Das Amtsgericht Freiburg im Breisgau sah am 14. Mai 2020 den Vorwurf des Wurfs einer bengalischen Fackel in Richtung einer Polizeikette durch einen Dynamofan als nicht erwiesen an. Nach insgesamt drei Verhandlungstagen, die sich durch verschiedenste Unterbrechungen über fast 10 Monate zogen, wurde der Fußballanhänger somit von den Anklagepunkten des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung freigesprochen.

Am 25. Oktober 2017 trat die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden in der 2. Runde des DFB-Pokals beim Sportclub aus Freiburg an. Über diese Partie gibt es neben dem sportlichen Ausscheiden der Dresdner Dynamos auch aus fantechnischer Sicht Einiges, vorallem Negatives, zu berichten. Unzählige Kontrollen, Personalienfeststellungen, erkennungsdienstliche Behandlungen vor und nach dem Spiel, Ingewahrsahmnahmen und sogar eine ca. 120 Personen starke Fangruppe, welche von der Autobahn direkt auf ein abgelegenes Gelände durch die Polizei geführt wurden und dort bis Spielende verschiedenste Maßnahmen über sich ergehen lassen musste.

Ausgangspunkt dieses Verfahrens ist auch hier die Kontrolle und die erkennungsdienstliche Behandlung einer Gruppe von Dynamofans auf dem Weg zum Dreisamstadion. Bemerkenswert ist, dass diese bereits schon das erste Mal auf der Autobahn durch die Polizei angehalten und durchsucht wurden. Eine zweite polizeiliche Kontrolle durchliefen die Fußballfans direkt am Parkplatz des Autos und wenig später folgte Kontrolle Nummer drei mit einer anschließenden erkennungsdienstlichen Behandlung, sprich Videografierung, der Fans. Diese letzte Maßnahme sollte für den Dynamofan Karl Kater* Ausgangspunkt eines langwierigen Verfahrens inklusive einem anderthalbjährigen bundesweiten Stadionverbots sein. Dass bei allen drei Kontrollen und auch der späteren Durchsuchung durch den Ordnungsdienst weder bei ihm, noch bei seinen Kumpels ein pyrotechnischer Gegenstand gefunden wurde, interessiert im späteren Verfahren die ermittelnden Polizisten wenig.

Das Pokalspiel der SGD geht 3:1 verloren – die Stimmung im Gästeblock, durch das aggressive Auftreten der behelmten Polizei und den Unmengen an Kontrollen im Vorfeld, angespannt. Zu allem Überfluss erteilt die Polizei eine halbstündige Blocksperre – gegen 23 Uhr kommt es im Bereich des Ausgangs zu Unruhen und Sachbeschädigungen. Ein bengalisches Feuer wird entzündet und wird in Richtung der Polizeikette geworfen. Es trifft nicht und niemand wird verletzt. Der Täter verschwindet im Dickicht der Massen – Karl Kater steht in diesem Moment noch auf den Traversen des Dreisamstadions und schreibt seiner Freundin, dass es hier wohl noch etwas dauert.

Die Ermittlungen beginnen, Videos und Bilder werden abgeglichen und körperliche Merkmale verglichen, anscheinend werden die Ermittler fündig, wonach sie suchen. Karl Kater wird im Dezember 2017 als Beschuldigter von der Polizei vorgeladen. Er geht nicht hin, macht somit von seinem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch. Die Daten des Beschuldigten werden an den SC Freiburg weitergereicht, welche ein Stadionverbot bis Mitte 2019 aussprechen – die Bitte, das Stadionverbot aufzuheben oder auf Bewährung auszusprechen, bleibt erfolglos.

Anfang Mai 2019 erhält er einen Strafbefehl über 90 Tagessätze a 20,00€, d.h. er soll 1.800,00€ zahlen. Er wendet sich als Mitglied an die Schwarz-Gelbe Hilfe – anwaltliche Unterstützung wird herangezogen, Einspruch eingelegt.

Der erste Verhandlungstag beginnt am 1. August 2019. Die Verteidigerin Karl Katers bestreitet die Vorwürfe gegen ihren Mandaten. Sie wendet ein, dass weder er das Bengalo geworfen hat, noch dass er dort in der Nähe des Werfers gestanden hätte oder gar dem Werfer in irgendeiner Form ähnlich sehe.
Die WhatsApp-Nachrichten zum Tatzeitpunkt werden als Gegenbeweis vorgelegt und verlesen. Ein Beweisantrag auf die Herausgabe der Videoaufzeichnungen des Gästebereichs scheitert, da diese schon gelöscht wären. Die Polizei hatte diese während ihrer Ermittlungen auch gar nicht erst angefordert und somit eine einseitige Beweisaufnahme und -analyse getätigt.

Die geladenen Polizisten der Beweis- und Festnahmeeinheit (BFE) aus Bruchsaal konnten keine Aussagen zum Aussehen des Werfers machen, auch waren sie nicht an der Videoanalyse beteiligt. Die Verhandlung wird unterbrochen.

Es folgt der zweite Verhandlungstag am Amtsgericht Freiburg. Es ist der 24.10.2019. Dieses Mal wird eine Beamtin geladen, welche die Auswertung des Videos vornahm. Diese war sich nun zu einhundertprozent sicher Karl Kater als den vermeintlichen Übeltäter ausgemacht zu haben. Sie hätte durch ihre Berufstätigkeit soviel Erfahrung gesammelt und auch in 15 Jahren noch nie einen Täter falsch identifiziert.

Erneut werden die Bilder am Pult der Richterin verglichen. Auf Nachfrage der Verteidigung, wie groß sie denn den Täter schätze, wiegelte die Zeugin ab. Videobilder würden manchmal die Realität verzerren und sie möchte dazu keine Angaben machen. Auf den Bildern hätte der Täter etwa männliche Durchschnittsgröße von ca. 1,80m – Karl Kater allerdings ist viel kleiner.

Doch die Beamtin blieb bei ihrer Identifizierung – die Richterin teilte diese Sicherheit nicht. Auch die Verteidigerin des Beschuldigten, Linda Röttig, wird nach dem Freispruch gegenüber der Badischen Zeitung sagen: “Mein Mandant war damals 21 – und der Mann auf dem Bild sieht eher aus wie 40.”

Das Gericht gibt schließlich ein anthropologisches Gutachten in Auftrag. Das Ergebnis wird nun am dritten Verhandlungstag, am 14. Mai 2020, also über ein Jahr nach Erhalt des Strafbefehls, verlesen.

Das Ergebnis: Ob der Angeklagte der Mann auf den Videobildern ist, könne man aufgrund der Bilder überhaupt gar nicht sagen. Unter diesen Umständen musste auch die Staatsanwaltschaft eingestehen, dass man den Beschuldigten Karl Kater nur freisprechen könne.

Die Verfahrenskosten, inklusive Anfahrts- , Anwalts- und Gutachterkosten, muss nun die Staatskasse tragen. Eine Wiedergutmachung für die Zeit außerhalb des Stadions wird Karl Kater wohl nicht erhalten.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

*Name durch die SGH geändert

Schalraub in Zwickau – Freispruch für Dynamofans

Mitte Januar 2020 mussten sich drei Dynamofans vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Dresden aufgrund einer vermeintlichen räuberischen Erpressung verantworten. Diese sollten im Nachgang des Fußballspiels zwischen dem FSV Zwickau und dem FC Hansa Rostock einem Anhänger der Hanseaten den Schal gestohlen und den Versuch begangen zu haben dessen -am Spieltag ausgegebene- Army-Mottojacke der Fanszene zu entwenden.
Für zwei der angeklagten Dynamofans endete das fast dreijährige Strafverfahren gegen sie mit einem Freispruch. Gegen einen weiteren Dynamofan wurde während der Verhandlung das Strafverfahren gegen eine Geldauflage im mittleren dreistelligen Bereich eingestellt.

Es ist der 20.03. 2017 – der 28. Spieltag der dritthöchsten Fußballliga. Der FSV Zwickau empfängt nach zwölfjähriger Pause das erste Mal wieder den FC Hansa Rostock. Zwei große Traditionsvereine mit den jeweiligen Fanszenen treffen aufeinander. Auf der einen Seite wird zu “Eine Stadt – Ein Auftrag” der Zusammenhalt beschworen – auf der anderen Seite des Stadions ruft man mittels “Hansa ist gross” im Islamismus-Style und Bundeswehrmottojacken zum Fußballglaubenskrieg auf. Beide Seiten umrahmen das Fußballspiel mit akkustischen Akzenten und pyrotechnischen Einlagen. Die Mannschaften trennen sich auf dem Rasen mit 2:2 – Unentschieden. Abpfiff.

Laut der Staatsanwaltschaft Dresden sollen sich nun die drei Dynamofans mit einem gemeinsamen Tatentschluss im Kopf gen Gästeblock aufgemacht haben, um dort auf ein hanseatisches Fanpärchen zu treffen und sich deren Fanutensilien mittels Androhung von körperlicher Gewalt zu anzunehmen.

Die Bereitschaftspolizei Leipzig umzingelt daraufhin in Zwickau-Eckersbach eine Gruppe Dynamofans, welche die Zwickauer Freunde an diesem Abend unterstützen, darunter auch die späteren Angeklagten. Alle Personen werden nun erkennungsdienstlich behandelt. Der geschädigte Hansa-Fan und seine Freundin wurden zur sofortigen Gegenüberstellung hinzugezogen – er erkennt wohl sofort einen der Übeltäter, seine Freundin erkennt keinen. Die vermeintlichen Täter schweigen vor Ort und auch im späteren Verfahren.

Es folgen Beschuldigtenvorladungen, Opfer- und Zeugenvernehmungen und im Juni 2018 die Anklageschrift seitens der Staatsanwaltschaft Dresden. Mitte Januar 2020 folgte nun der Gerichtsprozess am Jugendschöffengericht Dresden.

Es werden insgesamt sieben Zeugen gehört – fünf Polizisten der Bereitschaftspolizei und der geschädigte Hansafan und seine damalige Begleitung. Im Laufe des Gerichtsprozesses werden durch die Verteidigung der drei Dynamofans Fehler und Ungereimtheiten in der Polizeiarbeit aufgedeckt.
Den Geschädigten wurden Lichtbildmappen vorgelegt, die für eine Identifizierung nicht geeignet waren, da sie die Wahrnehmung der Zeugen deutlich manipulierten und sich in teilweise desolater Qualität befanden. Auch fand die polizeiliche Vernehmung des Opfers und seiner Lebensgefährtin zusammen und in einem Raum statt. Beide identifizierten und bezichtigten wenig überraschend die gleichen Personen aus der bereitgestellten Lichtbildmappe.
Die geladenen Polizeizeugen konnten zur Tataufklärung wenig beitragen, da sie entweder ungenaue Angaben machten oder nichts äußern konnten.

Folgerichtig entschied das Gericht, zwei Dynamofans freizusprechen. Aufgrund der oben beschriebenen sofortigen Identifizierung am Tatort, welche auch angezweifelt werden kann, musste ein angeklagter Dynamofan eine Geldauflage hinnehmen, um das Verfahren gegen sich einstellen zu lassen.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Einstellungen und kein Ende in Sicht

Mitte Juli des Jahres 2019 erhielten drei Dynamofans vom Amtsgericht Magdeburg einen gelben Brief. Erneut ging es um das Aufsstiegspiel vom 16.04.2016 der SG Dynamo Dresden beim FCM.
Den betroffenen Dynamofans wurde per Strafbefehl ein Landfriedensbruch zur Last gelegt. Alle Drei sollen sich in einer gewalttätigen Menge befunden haben, aus der Straftaten begangen worden sein sollten. Die Höhe der Strafbefehle reichte von 50 bis 120 Tagessätze. Je nach geschätzen Einkommen der Betroffenen ergaben sich unterschiedlich hohe Geldstrafen.
Das Vorgehen der Justiz war für uns, der Schwarz-Gelben Hilfe, hierbei allerdings im “Fall Magdeburg” etwas Neues – bisher gab die Staatsanwaltschaft Magdeburg die Ermittlungen in die Hände der am Wohnort der verdächtigten
Fans befindlichen Staatsanwaltschaft. Des Weiteren erhielten die bisherigen beschuldigten Dynamofans immer Anklageschriften und später Ladungen zum Gerichtstermin des jeweilig zuständigen Amtsgerichts – eine Aburteilung im verkürzten Verfahren mittels Strafbefehl war somit ebenfalls ein Novum in diesen Verfahren.
Die Schwarz-Gelbe Hilfe vermittelte allen drei Fans einen rechtlichen Beistand. Nach Einspruch gegen den Strafbefehl wurde anhand der Akteneinsicht eine eher dürftige Beweislage festgestellt. Die Verfahren konnten in allen Fällen am Ende nach § 153a StPO gegen eine Geldauflage in unterschiedlicher Höhe eingestellt werden. Die Schwarz-Gelbe Hilfe beteiligte sich im Nachgang an der Begleichung der Anwaltskosten. Für die Dynamofans endete somit dieses Verfahren ohne eine Verurteilung und eine etwaige Eintragung in das Bundezentralregister.

Doch leider können wir bis heute noch keinen Schlussstrich unter die Vorkommnisse vor gut vier Jahren ziehen. Weitere Dynamofans erhielten in den letzten Wochen Anklageschriften oder die Vorladung zum Gerichtstermin am Amtsgericht. Viele weitere Fans, die eine Vorldaung als Beschuldigte erhielten, warten bis heute auf einen Abschluss der Ermittlungen gegen sie.

Solltet Ihr daher Empfänger solcher oder ähnlicher Post sein, könnt Ihr Euch auch weiterhin bei uns via E-Mail an info [ at ] schwarz-gelbe-hilfe.de wenden. Beachtet bitte, Euch rechtzeitig zu melden, denn die Nichtbeachtung von Fristen kann Folgen haben, die man im Nachhinein nicht mehr beseitigen kann.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Und die Moral von der Geschicht? Selbst das SEK verhindert Dynamo nicht! – Teil 1

Und mit diesem leicht abgewandelten Spruchband aus der Vorsaison heißen wir Euch herzlich Willkommen beim diesjährigen Saisonrückblick der Schwarz-Gelben Hilfe. So mancher Dynamofan wird froh sein, diese grauenvolle Spielzeit endlich abgehakt zu haben. Auch für uns war die Spielzeit 2018/19 wieder geprägt von Siegen und Niederlagen, von guten wie schlechten Zeiten. Doch in diesem Saisonrückblick wollen wir den Fokus nicht auf die üblichen Einzelschicksale der von Repressionen betroffenen Dynamofans richten. Das Augenmerk liegt auf dem polizeilichen Handeln, das vermehrt einen Großteil von Dynamofans an Spieltagen trifft. Eine gefährliche Entwicklung macht sich in der Bundesrepublik Deutschland breit. Die Allmacht der Polizei wird Gesetz. Jener Rechtsstaat, der uns Bürger, also auch uns Fußballfans, vor staatlichem Fehlverhalten schützen soll, wandelt sich immer mehr in einen Rechtsstaat, der sich selbst zu schützen versucht. Grund hierfür ist die bundesweite Verschärfung der Polizeigesetze. Aber auch Innenminister, die den Kontroll- und Überwachungsstaat fordern und ihre handelnde Exekutive, sprich Polizeieinheiten, mit immer neuen weitreichenden Befugnissen und allumfassenden Schutz aufrüsten, tragen dazu bei. Neben der üblichen Verfahrensbegleitung einzelner Dynamofans, die Probleme mit Polizei und Justiz bekommen haben, richtet sich unsere Aufmerksamkeit deshalb immer mehr auf die generelle Überprüfung polizeilichen Handelns. Im Unterschied zu so manch “medialem Lautsprecher” wollen wir an dieser Stelle keine Effekthascherei betreiben und holen auch nicht zum großen Rundumschlag aus. Es reicht allein, das ein oder andere Ereignis aus der letzten Saison noch einmal zu beleuchten, um zu sehen, welch schleichender Prozess in Gang gesetzt wurde.

Zukunftsbilder in Köln

Im November 2018 trat unsere Sportgemeinschaft in der Kölner Domstadt zum Auswärtsspiel an. Auf einer sehr unterhaltsamen Pressekonferenz einige Tage vor dem Spiel machte die Kölner Polizei deutlich, dass sie nicht gerade das unaufgeregte polizeiliche Handeln erfunden hat. “Das alles wollen wir in Köln hier nicht sehen…” – oder auch: die perfekte Medieninszenierung der Kölner Polizei. Viele rieben sich verwundert die Augen oder schüttelten den Kopf als Sätze, wie: “Es liegen Erkenntnisse vor, dass die Dresdner Fans einen Fanmarsch planen.” fielen. Nur durch “intensivste Vorabermittlungen” der Kölner Polizei konnte man an solch brisante Informationen gelangen – jedoch hatten die Vereinsführung und die Fanbetreuung zuvor die Möglichkeit eines solchen Marsches angefragt. Erst dadurch hatte die Kölner Polizei Kenntnis eines eventuellen Marsches erlangt.. Das Highlight folgte dann am Spieltag selbst, als bis zu 50 Polizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) rund um das Müngersdorfer Stadion auf die mitgereisten Dynamos warteten. Die beste Antwort auf dieses ganze Theater lieferten die Fans selbst in Form eines grandiosen Auswärtsauftritts, inklusive großer schwarz-gelber Rauchshow und einem besonnenen Verhalten, welches das polizeiliche Theater ins Leere laufen ließ. Selbst nach Ende des Spiels stand das SEK-Abwehrbollwerk des selbsternannten freiheitlich-demokratischen Nordrhein-Westfalens wie eine Eins, was sich von unserer sportlichen Defensive nach einer 8:1-Niederlage leider nicht behaupten ließ.

Aufrüstung auch in Hamburg

Ganz ähnliche Töne wurden nach dem Jahreswechsel 2018/19 in Hamburg laut. Es näherte sich unser Auswärtsspiel beim längst ausgestorbenen HSV-Dinosaurier. Auch hier kündigte die Hamburger Polizei eine Null-Toleranz-Schiene an und reagierte somit nicht gerade deeskalierend auf das sowieso angespannte Verhältnis zwischen Dynamofans und der Hamburger Polizei. Zur Erinnerung: Beim Spiel der schwarz-gelben Kicker am Millerntor im Dezember 2018 folgte auf das Fehlverhalten einiger Dynamofans ein Polizeieinsatz, der aus unserer Sicht völlig orientierungs- und planlos war. Pfefferspray und Schlagstock wurden damals gegen alles und jeden eingesetzt. Das Ergebnis waren mehrere Ingewahrsahmnahmen und eine große Zahl noch immer laufender Gerichtsverfahren gegen Dynamofans. Das Spiel beim HSV stand daher nicht gerade unter einem guten Stern. Einige Hamburger Boulevardblätter fantasierten schon im Vorfeld über hereinbrechende Hooliganhorden in der Hansestadt. Die Polizei rüstete am Spieltag typisch freiheitlich hanseatisch auf und so standen neben dutzenden Hundertschaften auch Wasserwerfer und Räumpanzer bereit. Ein Fanmarsch, welcher von einem Einkaufszentrum zum Volkspark zog, zeigte, wie dünn die Reißleine zur Eskalation auf Seiten der Hamburger Polizeieinsatzleitung war. Nachdem ein pyrotechnischer Gegenstand gezündet wurde, bezogen sofort BFE-Einheiten und oben genannte Einsatzgeräte Stellung und stoppten den Marsch. Nur durch das deeskalierende Verhalten der Dresdner Fans konnte der Fanmarsch schließlich fortgesetzt werden. Am Einlass folgte für einen ehemaligen Bundesligisten unwürdigste Bedingungen. Im Stadion selbst zeigten die Schlachtenbummler der SGD eine der größten Bengalenshows bei einem Auswärtsauftritt unserer Mannschaft, welche sogar im Nachgang die Debatte in der bundesdeutschen Medienwelt über die Frage nach der Legalisierung von Pyrotechnik wieder anheizte. Beim Abmarsch der Fans nach dem Spiel kam es leider zu einem äußerst tragischen Vorfall, der uns -und vor allem die Angehörigen- nach wie vor stark beschäftigt. Genauer können und wollen wir an dieser Stelle aus Respekt vor den Angehörigen und aufgrund eines laufenden Verfahrens nicht werden.

Gefahrenabwehr in Duisburg und Darmstadt

Auch vermeintlich kleinere Auswärtsspiele wurden durch polizeiliche Maßnahmen für viele mitgereisten Dynamofans zu einer Zerreißprobe. “Im Rahmen der Gefahrenabwehr” sollte das letzte Spiel des Jahres 2018 in Duisburg ein besonderes werden. Aufgrund einer vorausgegangen kleinen Rangelei einzelner Dynamofans mit dem Ordnungsdienst am Einlass des Wedaustadions erfolgte die Kesselung und der Ausschluss von etwas mehr als 250 Dynamofans vom Spiel. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen zeigte erneut ihre bürgerrechtsfeindlichen Zähne und ließ später über deren Medien verlauten, dass dies ein geplanter Sturm des Stadions gewesen wäre, um pyrotechnische Gegenstände ins Stadion zu bringen. Gefunden wurde allerdings bei den betroffenen Dynamofans nichts. Stattdessen durfte man mit Sicht auf das Stadionäußere im Nieselregen warten bis man zur persönlichen Kontrolle abgeholt wurde. Die schwarz-gelben Anhänger, welche schon im Gästeblock auf die aktive Fanszene warteten, zeigten sich solidarisch, versuchten den Block zu verlassen, was ihnen allerdings aufgrund polizeilicher Gegenwehr untersagt wurde, und somit schwiegen sie die komplette Spielzeit. Vor Ort waren wir, die Schwarz-Gelbe Hilfe, leider erst einmal machtlos, doch wir werden sehen, was die juristische Überprüfung im Nachgang bringen wird. Ähnliches Schicksal erlitten die Insassen von vier Kleinbussen nach dem Spiel beim SV Darmstadt: Die eingesetzten hessischen Polizeibeamten versuchten krampfhaft ein textiles Beweismittel zu finden, welches zuvor ihren Dienstherren Peter Beuth (hessischer Innenminister mit CDU-Parteibuch) als Sohn eines Freudenmädchens beleidigte. Hintergrund des Spruchbandes war der völlig überzogene Polizeieinsatz seines gehorsamen Fußvolkes am Rande des Europapokalspiels der Frankfurter Eintracht gegen Shakhtar Donetsk und die Durchsuchung des Choreomaterials nach einem Spruchband, welches ihn als einen “Ficker” bezeichnet haben soll. Auf dem Darmstädter Gästeparkplatz konnte der Tatgegenstand allerdings trotz stundenlanger Durchsuchungen nicht gefunden werden, Ermittlungen wegen Beleidigung Peter Beuths sind uns bisher ebenfalls nicht bekannt. Auch hier geht ein Dank an die wartenden Dynamofans, die sich solidarisch mit den betroffenen Fußballfans zeigten.

Und die Moral von der Geschicht? Selbst das SEK verhindert Dynamo nicht! – Teil 2

Die Folgen aus Karlsruhe & Magdeburg
Read More…

Ein Buchstabe erregt die Gemüter – RED KAOS – eine rechtlichen Einordnung

Es ist der 30.07.2019 – eine Meldung verbreitet sich in den sozialen Medien und auf diversen (un-)bekannten Fußballfanplattformen wie ein Lauffeuer – unsere Freunde aus Zwickau, die Ultragruppe RED KAOS 1997, fährt nicht zum Auswärtsspiel zu den Münchner Löwen. Auslöser sind die Meldungen des FSV Zwickau und des Fanprojekt Zwickau über ein angebliches Verbot der Auswärtssfahne der Zwickauer Ultras und, dass eben diese treuen Anhänger der Westsachsenkicker nun daraufhin nicht nach München reisen werden. Read More…

Zug um Zug – Vorwürfe der Bundespolizei bleiben ungeklärt

In der jüngeren Vergangenheit sahen sich einige Dynamofans mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung (§ 303 StGB) seitens der Bundespolizei konfrontiert. In Zuge dessen wurde ebenfalls der Verdacht erhoben, dass die Beschuldigten Dynamofans Verunreinigung von Bahnanlagen, Betriebsteinrichtungen oder eines Fahrzeuges vorgenommen haben, was eine Ordnungswidrigkeit nach § 64b der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) darstelle.
Die Vorwürfe klangen immer wieder gleich: Die beschuldigten Schlachtenbummler sollen bei Zugfahrten zu Auswärtsspielen der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden die im Verkehrsmittel befindlichen Kameras abgeklebt haben, um die Aufklärung möglicher Straftaten und Ordnungswidrigkeiten zu verhindern. Nach Ankunft der Züge sollen diese nun in einem verschmutzen Zustand vorgefunden worden sein.
Nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen wurden diese Vorwürfe in den meisten Fällen aus unterschiedlichen Gründen seitens der Staatsanwaltschaft eingestellt. Doch eine Staatsanwaltschaft in der sächsischen Provinz beließ es nicht bei einer Einstellung und so erhielt der Betroffene einen Strafbefehl in Höhe von 30 Tagessätzen á 40,00€ – also insgesamt 1.200 €.

Mit der Hilfe der Schwarz-Gelben Hilfe wurde nun eine Anwältin eingeschaltet, die für den Dynamofan in Einspruch ging und die Vorwürfe mittels Akteneinsicht prüfte. Die restliche Geschichte ist nun sehr schnell erzählt, denn die Beweislage gegen den Dynamofan war sehr dünn und die Gerichtsverhandlung am Amtsgericht Kamenz dauerte gerade einmal sechs Minuten! Die Bilder von einer anderen Überwachungskamera zeigten zwar den betroffenen Fan und dass er sich zum Zeitpunkt der vermeintlichen Tat unglücklicherweise in der Nähe des Tatorts aufhielt. Allerdings blieb unklar, ob und vorallem wer eine Kamera mittels Aufkleber überklebte. Dies war gar nicht zu erkennen. Dem Richter wurde die Klärung des Sachverhalts wohl zu umständlich und so stellte er das Gerichtsverfahren nach § 153 StPO ein. Des Weiteren beschloss er, dass alle Auslagen, sprich Gerichts- und Anwaltskosten, der Staat tragen muss.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Erfolgreiche Löschung einer ED-Behandlung

Beim letzten Auswärtsspiel der SG Dynamo Dresden im Kieler Holsteinstadion kam es im Vorfeld der Partie zu mindestens zwei Ingewahrsamnahmen. Die eingesetzten Polizisten rechtfertigten diese Maßnahme mit schwammigen und wirren Vorwürfen gegen diese beiden Dynamofans. Doch den Anschuldigungen nicht genug, setzten die Polizisten auf der Wache noch eins drauf – es folgte bei beiden Dynamofans eine erkennungsdienstliche Behandlung. Auf Nachfrage der beiden Betroffenen wurde keinerlei Begründung für diese Maßnahme geliefert, auch belehrte die Polizei die beiden Anhänger nicht über ihre Rechte. Als diese nun die Schwarz-Gelbe Hilfe und die mitgereiste Anwältin informieren wollten, wurde ihnen ein Telefonat verweigert. Aus Angst vor weiteren Konsequenzen
oder gar einem Strafverfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ließen beide die Maßnahmen über sich ergehen. Es wurden nun Fotos geschossen, Finger- und Handabdrücke genommen. Pünktlich nach Spielende wurden beide aus dem Polizeipräsidium entlassen – 1.120 km An- und Abreise umsonst.

Zu Hause angekommen, meldeten sich beide Dynamofans umgehend bei der Schwarz-Gelben Hilfe. Gegen die vermeintliche mündliche Anordnung, wobei jegliche Begründung durch die Polizei fehlte, auf der die erkennungsdienstliche Behandlung beruhte, legte deren Anwältin Widerspruch ein. Problematisch war hierbei, dass der Verwaltungsakt mündlich erlassen und nicht schriftlich dokumentiert wurde.
Dadurch wird das Vorgehen gegen den Verwaltungsakt erheblich erschwert. Dennoch hatte die Anwältin im Ergebnis Erfolg: Zwar argumentierte die Polizei, dass die Anordnung der ED-Behandlung rechtmäßig war. Die Anordnung dieser polizeilichen Maßnahme wäre aber rein präventiv gewesen. Dies bedeutet, dass die ED-Maßnahme durchgeführt wurden wäre, um die beiden Dynamofans bei etwaigen zukünftigen Straftaten besser identifizieren zu können und nicht wie angenommen, zur Aufklärung einer vermeintlichen Straftat in der Vergangenheit. Die Polizei sicherte jedoch gleichzeitig zu, dass sämtliche Daten (Fotos und Finger- sowie Handflächenabdrücke) aus den Datenbanken gelöscht werden. Woher nun die plötzliche Kehrtwende der Kieler Polizei, trotz vermeintlicher Rechtssicherheit kam, kann sich nun wohl ein jeder denken…!

Die anfallenden Anwaltskosten beglich die Schwarz-Gelbe Hilfe vollständig.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Gerichtsverfahren wird zur Farce

Viele der schwarz-gelben Anhänger werden das DFB-Pokalspiel beim SC Freiburg am 25.10.2017 in schlechter Erinnerung haben. Neben einer 3:1-Niederlage und dem damit verbundenen vorzeitigen Aus im DFB-Pokal, herrschten im und um das Freiburger Dreisamstadion skandalöse Zustände. Unsere schwarz-gelbe Mannschaft konnte in den 90 Minuten nicht auf die übliche Unterstützung der Fans bauen. Stundenlange Ingewahrsamnahmen von mehr als 200 Dynamofans im Freiburger Stadtgebiet, willkürliche Kontrollen vor und nach dem Spiel von Seiten der Polizei sind nur wenige Punkte eines komplett auf Eskalation ausgelegten Einsatzkonzeptes seitens der Freiburger Polizeiführung, welches die mitgereisten Dynamofans nicht zum Support hinreißen ließen. Wir berichteten damals über polizeiliches Fehlverhalten direkt im Anschluss des Spiels.

Heute wollen wir über einen einzelnen Dynamofan, nennen wir ihn Emil Elster, berichten, dessen Erfahrungen mit diesem unfairen Spiel nicht am Pokalabend endeten. Denn Emil Elster erhielt nach dem Spiel eine Bußgeldbescheid über 330 € – der Vorwurf: Mitführen eines Vermummungsgegenstandes. Das Zustandekommen dieses Bescheides ist schlichtweg skandalös. Dynamofan Emil zog am Pokalabend mit einer ca. 30-köpfigen Gruppe von schwarz-gelben Anhängern fußläufig zum Dreisamstadion. Unterwegs wurde diese Gruppe von der Polizei gestoppt und die Personalien kontrolliert. In Folge dieser Überprüfungen entdeckten die Polizisten in der Gruppe einen Schlauchschal, welcher am Boden lag und ordneten diesen nun wahllos Emil Elster zu, worauf er sofort bestritt, dass dieser Gegenstand ihm gehöre. Doch das nützte nichts, stattdessen verbrachte Emil Elster das Spiel auf der Stadionwache um weitere polizeiliche Maßnahmen über sich ergehen zu lassen.

Emil Elster sah sich im Recht, ging in Einspruch gegen den Bescheid und nahm sich einen Rechtsbeistand. Angesetzt wurde eine Verhandlung über diese vermeintliche Ordnungswidrigkeit am Amtsgericht Freiburg. Doch Emils Glaube an den vermeintlichen Rechtsstaat sollte sich im Laufe der zwei Verhandlungstage um ein weiteres Mal erschüttern. Der einzige Zeuge, ein an dem Abend eingesetzter Polizeibeamter, konnte sich in der Hauptverhandlung nicht mehr aus eigener Kraft an den Vorfall erinnern. Vielmehr war ihm zuvor die gesamte Ermittlungsakte durch den Hauptsachbearbeiter des Falls für seine Zeugenaussage überlassen worden und in die er immer wieder während seiner Aussage schaute. Nur auf dieser Grundlage war der Polizeibeamte überhaupt dazu in der Lage Angaben zur Sache zu machen. Nachdem dies Elsters Anwältin bemerkte und den vermeintlichen Augenzeugen damit konfrontierte, musste der Beamte zugeben, dass er den eigentlichen Vorgang, also das Fallenlassen eines Gegenstandes, nicht beobachtet hatte. Vielmehr hatte er diesen lediglich in der Nähe des Dynamofan Elster liegen sehen und ihm zugeordnet.

Wer nun an einen Freispruch und späte Gerechtigkeit denkt, der irrt sich. Das Amtsgericht Freiburg sah es trotz der wenig erkenntnisreichen Aussage des Beamten als erwiesen an, dass Emil Elster am 25.10.2017 im Rahmen einer polizeilichen Kontrolle einen Vermummungsgegenstand zu Boden habe fallen lassen, den er zuvor mit sich geführt haben soll – indem das Amtsgericht den Betroffenen allerdings “nur” zu einer Geldbuße in Höhe von 200 Euro verurteilte, wurde ihm ein zusätzliches Ei ins Nest gelegt. Dadurch konnte nicht ohne weiteres das Rechtsmittel der Rechtsbeschwerde genutzt werden, da bei Geldbußen von bis zu 250 Euro die Rechtsbeschwerde erst durch das Beschwerdegericht zugelassen werden muss.

Auf Anraten seiner Anwältin beließ Emil Elster ein weiteres Vorgehen gegen diese Geldbuße. Die Schwarz-Gelbe Hilfe beteiligte sich an den Anwaltskosten, welche durch die zwei Verhandlungstage am Amtsgericht Freiburg nun auf einen unteren vierstelligen Betrag angewachsen waren, nahezu deckend. Rechtliche Schritte gegen den leitenden Sachbearbeiter aufgrund der Weitergabe der Ermittlungsakte an den Zeugen wurden eingeleitet.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe