Zahlen ohne Anwesenheit?

Mit Verwunderung entnahm der Dynamofan Bernd Böttcher* einem Schreiben der Staatsanwaltschaft Hamburg, dass er, mittels einer Zahlung von 300,00€, das gegen ihn anhängende Strafverfahren einstellen lassen kann – gemäß § 153a StPO. Er soll beim Auswärtspiel der SG Dynamo Dresden bei den Hamburger Kiezkickern am 01.12.2018 mittels eines gefährlichen Gegenstandes den Versuch unternommen zu haben, einen eingesetzten Polizisten zu verletzen.

Bernd traute seinen Augen nicht mehr, war er doch zum vermeintlichen Tatzeitpunkt gar nicht in Hamburg. Aufgrund seiner langjährigen Mitgliedschaft meldete sich bei der Schwarz-Gelbe Hilfe, welche ihm umgehend einen Rechtsbeistand zur Vergfügung stellte.

Durch einen Antrag auf Akteneinsicht konnte schnell Klarheit geschaffen werden. Aufgrund einer Identitätsfeststellung des Dynamofans Bernd bei einem Heimspiel der SGD wurde dieses Bild mit den Bildern der Polizei Hamburg verglichen. Oberflächliche Merkmale stimmten überein, bei genauerer Betrachtung wurde klar – Bernd wurde Opfer einer Verwechslung. Dank eines Beweises, welcher belegte das er nicht mal in der Nähe Hamburgs war, wurde schnell die Unschuld klar.

Das Verfahren wurde nun ohne Geldauflagen gegen den Dynamofan letztendlich Seitens der Staatsanwaltschaft Hamburg gemäß § 170 (2) StPO eingestellt.

Die Schwarz-Gelbe Hilfe übernahm die vollen Anwaltskosten des Mitglieds.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Über 4.000 km bis zum Freispruch

Das Amtsgericht Freiburg im Breisgau sah am 14. Mai 2020 den Vorwurf des Wurfs einer bengalischen Fackel in Richtung einer Polizeikette durch einen Dynamofan als nicht erwiesen an. Nach insgesamt drei Verhandlungstagen, die sich durch verschiedenste Unterbrechungen über fast 10 Monate zogen, wurde der Fußballanhänger somit von den Anklagepunkten des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung freigesprochen.

Am 25. Oktober 2017 trat die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden in der 2. Runde des DFB-Pokals beim Sportclub aus Freiburg an. Über diese Partie gibt es neben dem sportlichen Ausscheiden der Dresdner Dynamos auch aus fantechnischer Sicht Einiges, vorallem Negatives, zu berichten. Unzählige Kontrollen, Personalienfeststellungen, erkennungsdienstliche Behandlungen vor und nach dem Spiel, Ingewahrsahmnahmen und sogar eine ca. 120 Personen starke Fangruppe, welche von der Autobahn direkt auf ein abgelegenes Gelände durch die Polizei geführt wurden und dort bis Spielende verschiedenste Maßnahmen über sich ergehen lassen musste.

Ausgangspunkt dieses Verfahrens ist auch hier die Kontrolle und die erkennungsdienstliche Behandlung einer Gruppe von Dynamofans auf dem Weg zum Dreisamstadion. Bemerkenswert ist, dass diese bereits schon das erste Mal auf der Autobahn durch die Polizei angehalten und durchsucht wurden. Eine zweite polizeiliche Kontrolle durchliefen die Fußballfans direkt am Parkplatz des Autos und wenig später folgte Kontrolle Nummer drei mit einer anschließenden erkennungsdienstlichen Behandlung, sprich Videografierung, der Fans. Diese letzte Maßnahme sollte für den Dynamofan Karl Kater* Ausgangspunkt eines langwierigen Verfahrens inklusive einem anderthalbjährigen bundesweiten Stadionverbots sein. Dass bei allen drei Kontrollen und auch der späteren Durchsuchung durch den Ordnungsdienst weder bei ihm, noch bei seinen Kumpels ein pyrotechnischer Gegenstand gefunden wurde, interessiert im späteren Verfahren die ermittelnden Polizisten wenig.

Das Pokalspiel der SGD geht 3:1 verloren – die Stimmung im Gästeblock, durch das aggressive Auftreten der behelmten Polizei und den Unmengen an Kontrollen im Vorfeld, angespannt. Zu allem Überfluss erteilt die Polizei eine halbstündige Blocksperre – gegen 23 Uhr kommt es im Bereich des Ausgangs zu Unruhen und Sachbeschädigungen. Ein bengalisches Feuer wird entzündet und wird in Richtung der Polizeikette geworfen. Es trifft nicht und niemand wird verletzt. Der Täter verschwindet im Dickicht der Massen – Karl Kater steht in diesem Moment noch auf den Traversen des Dreisamstadions und schreibt seiner Freundin, dass es hier wohl noch etwas dauert.

Die Ermittlungen beginnen, Videos und Bilder werden abgeglichen und körperliche Merkmale verglichen, anscheinend werden die Ermittler fündig, wonach sie suchen. Karl Kater wird im Dezember 2017 als Beschuldigter von der Polizei vorgeladen. Er geht nicht hin, macht somit von seinem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch. Die Daten des Beschuldigten werden an den SC Freiburg weitergereicht, welche ein Stadionverbot bis Mitte 2019 aussprechen – die Bitte, das Stadionverbot aufzuheben oder auf Bewährung auszusprechen, bleibt erfolglos.

Anfang Mai 2019 erhält er einen Strafbefehl über 90 Tagessätze a 20,00€, d.h. er soll 1.800,00€ zahlen. Er wendet sich als Mitglied an die Schwarz-Gelbe Hilfe – anwaltliche Unterstützung wird herangezogen, Einspruch eingelegt.

Der erste Verhandlungstag beginnt am 1. August 2019. Die Verteidigerin Karl Katers bestreitet die Vorwürfe gegen ihren Mandaten. Sie wendet ein, dass weder er das Bengalo geworfen hat, noch dass er dort in der Nähe des Werfers gestanden hätte oder gar dem Werfer in irgendeiner Form ähnlich sehe.
Die WhatsApp-Nachrichten zum Tatzeitpunkt werden als Gegenbeweis vorgelegt und verlesen. Ein Beweisantrag auf die Herausgabe der Videoaufzeichnungen des Gästebereichs scheitert, da diese schon gelöscht wären. Die Polizei hatte diese während ihrer Ermittlungen auch gar nicht erst angefordert und somit eine einseitige Beweisaufnahme und -analyse getätigt.

Die geladenen Polizisten der Beweis- und Festnahmeeinheit (BFE) aus Bruchsaal konnten keine Aussagen zum Aussehen des Werfers machen, auch waren sie nicht an der Videoanalyse beteiligt. Die Verhandlung wird unterbrochen.

Es folgt der zweite Verhandlungstag am Amtsgericht Freiburg. Es ist der 24.10.2019. Dieses Mal wird eine Beamtin geladen, welche die Auswertung des Videos vornahm. Diese war sich nun zu einhundertprozent sicher Karl Kater als den vermeintlichen Übeltäter ausgemacht zu haben. Sie hätte durch ihre Berufstätigkeit soviel Erfahrung gesammelt und auch in 15 Jahren noch nie einen Täter falsch identifiziert.

Erneut werden die Bilder am Pult der Richterin verglichen. Auf Nachfrage der Verteidigung, wie groß sie denn den Täter schätze, wiegelte die Zeugin ab. Videobilder würden manchmal die Realität verzerren und sie möchte dazu keine Angaben machen. Auf den Bildern hätte der Täter etwa männliche Durchschnittsgröße von ca. 1,80m – Karl Kater allerdings ist viel kleiner.

Doch die Beamtin blieb bei ihrer Identifizierung – die Richterin teilte diese Sicherheit nicht. Auch die Verteidigerin des Beschuldigten, Linda Röttig, wird nach dem Freispruch gegenüber der Badischen Zeitung sagen: “Mein Mandant war damals 21 – und der Mann auf dem Bild sieht eher aus wie 40.”

Das Gericht gibt schließlich ein anthropologisches Gutachten in Auftrag. Das Ergebnis wird nun am dritten Verhandlungstag, am 14. Mai 2020, also über ein Jahr nach Erhalt des Strafbefehls, verlesen.

Das Ergebnis: Ob der Angeklagte der Mann auf den Videobildern ist, könne man aufgrund der Bilder überhaupt gar nicht sagen. Unter diesen Umständen musste auch die Staatsanwaltschaft eingestehen, dass man den Beschuldigten Karl Kater nur freisprechen könne.

Die Verfahrenskosten, inklusive Anfahrts- , Anwalts- und Gutachterkosten, muss nun die Staatskasse tragen. Eine Wiedergutmachung für die Zeit außerhalb des Stadions wird Karl Kater wohl nicht erhalten.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

*Name durch die SGH geändert

Rundbrief an die Mitgliedschaft

Hallo liebe Mitglieder der Schwarz-Gelben Hilfe,

aufgrund der aktuellen Situation und den Einschränkungen rund um das Coronavirus sind wir uns derzeit leider noch nicht sicher ob, wann und vorallem wie wir die jährliche Mitgliederversammlung des Schwarz-Gelben Hilfe e.V. durchführen werden.

Zwar besteht dank einer Neuregelung der Gesetzgebung grundsätzlich die Möglichkeit eine Mitgliederversammlung online oder per schrifticher Beschlussfassung durchzuführen, aber dies sind Varianten, die für uns nicht in Frage kommen.

Nichtsdestotrotz laufen natürlich die allgemeinen Vorbereitungen, unabhängig von der derzeitigen Situation, im Hintergrund weiter. Daher möchten wir auf diesem Weg alle Mitglieder auffordern, uns eventuelle Änderungen der Kontaktdaten mitzuteilen.

Hat sich seit Beginn Eurer SGH-Mitgliedschaft

– Anschrift (inkl. Namen, Adresse, etc.),
– Bankverbindung,
– E-Mailkontakt

geändert? – Dann bitten wir Euch, uns diese Änderungen umgehend mitzuteilen. Schreibt uns einfach eine kurze Mail an die bekannten Mailadressen mitglieder@schwarz-gelbe-hilfe.de oder info@schwarz-gelbe-hilfe.de . Wir freuen uns über jede Rückmeldung.

Aktuelle News oder Informationen kannst Du auch immer auf unserem Blog (www.schwarz-gelbe-hilfe.de) oder über die sozialen Medien – Twitter, Facebook und Instagram – abrufen. Auch ist unser Notfalltelefon für Dich weiterhin unter 0157-36902797 per Anruf oder SMS erreichbar.

Bleib bitte schön gesund & munter. Wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen bei der Mitgliederversammlung oder im Stadion.

Vorstand – Schwarz-Gelbe Hilfe e.V.

Schalraub in Zwickau – Freispruch für Dynamofans

Mitte Januar 2020 mussten sich drei Dynamofans vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Dresden aufgrund einer vermeintlichen räuberischen Erpressung verantworten. Diese sollten im Nachgang des Fußballspiels zwischen dem FSV Zwickau und dem FC Hansa Rostock einem Anhänger der Hanseaten den Schal gestohlen und den Versuch begangen zu haben dessen -am Spieltag ausgegebene- Army-Mottojacke der Fanszene zu entwenden.
Für zwei der angeklagten Dynamofans endete das fast dreijährige Strafverfahren gegen sie mit einem Freispruch. Gegen einen weiteren Dynamofan wurde während der Verhandlung das Strafverfahren gegen eine Geldauflage im mittleren dreistelligen Bereich eingestellt.

Es ist der 20.03. 2017 – der 28. Spieltag der dritthöchsten Fußballliga. Der FSV Zwickau empfängt nach zwölfjähriger Pause das erste Mal wieder den FC Hansa Rostock. Zwei große Traditionsvereine mit den jeweiligen Fanszenen treffen aufeinander. Auf der einen Seite wird zu “Eine Stadt – Ein Auftrag” der Zusammenhalt beschworen – auf der anderen Seite des Stadions ruft man mittels “Hansa ist gross” im Islamismus-Style und Bundeswehrmottojacken zum Fußballglaubenskrieg auf. Beide Seiten umrahmen das Fußballspiel mit akkustischen Akzenten und pyrotechnischen Einlagen. Die Mannschaften trennen sich auf dem Rasen mit 2:2 – Unentschieden. Abpfiff.

Laut der Staatsanwaltschaft Dresden sollen sich nun die drei Dynamofans mit einem gemeinsamen Tatentschluss im Kopf gen Gästeblock aufgemacht haben, um dort auf ein hanseatisches Fanpärchen zu treffen und sich deren Fanutensilien mittels Androhung von körperlicher Gewalt zu anzunehmen.

Die Bereitschaftspolizei Leipzig umzingelt daraufhin in Zwickau-Eckersbach eine Gruppe Dynamofans, welche die Zwickauer Freunde an diesem Abend unterstützen, darunter auch die späteren Angeklagten. Alle Personen werden nun erkennungsdienstlich behandelt. Der geschädigte Hansa-Fan und seine Freundin wurden zur sofortigen Gegenüberstellung hinzugezogen – er erkennt wohl sofort einen der Übeltäter, seine Freundin erkennt keinen. Die vermeintlichen Täter schweigen vor Ort und auch im späteren Verfahren.

Es folgen Beschuldigtenvorladungen, Opfer- und Zeugenvernehmungen und im Juni 2018 die Anklageschrift seitens der Staatsanwaltschaft Dresden. Mitte Januar 2020 folgte nun der Gerichtsprozess am Jugendschöffengericht Dresden.

Es werden insgesamt sieben Zeugen gehört – fünf Polizisten der Bereitschaftspolizei und der geschädigte Hansafan und seine damalige Begleitung. Im Laufe des Gerichtsprozesses werden durch die Verteidigung der drei Dynamofans Fehler und Ungereimtheiten in der Polizeiarbeit aufgedeckt.
Den Geschädigten wurden Lichtbildmappen vorgelegt, die für eine Identifizierung nicht geeignet waren, da sie die Wahrnehmung der Zeugen deutlich manipulierten und sich in teilweise desolater Qualität befanden. Auch fand die polizeiliche Vernehmung des Opfers und seiner Lebensgefährtin zusammen und in einem Raum statt. Beide identifizierten und bezichtigten wenig überraschend die gleichen Personen aus der bereitgestellten Lichtbildmappe.
Die geladenen Polizeizeugen konnten zur Tataufklärung wenig beitragen, da sie entweder ungenaue Angaben machten oder nichts äußern konnten.

Folgerichtig entschied das Gericht, zwei Dynamofans freizusprechen. Aufgrund der oben beschriebenen sofortigen Identifizierung am Tatort, welche auch angezweifelt werden kann, musste ein angeklagter Dynamofan eine Geldauflage hinnehmen, um das Verfahren gegen sich einstellen zu lassen.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Liebe Dynamofans, liebe Mitglieder der Schwarz-Gelben Hilfe,

der Virus COVID-19, oder besser bekannt als Coronavirus, hat unseren Alltag, unsere Gesellschaft und die Welt um uns herum fest im Griff. Diese derzeitige Situation ist und bleibt weiterhin außergewöhnlich und für unsere Generation nahezu einmalig.
Aber bereits jetzt hat die schwarz-gelbe Fanszene mit verschiedenen, direkten Unterstützungs- und Solidaritätsaktionen erneut gezeigt, dass der Slogan: “WIR! ZUSAMMEN! JETZT!” keine leere Worthülse ist.

Neben unzähligen Nachbarschaftsgruppen in und um Dresden und dem Angebot des “D-Team” der Ultras Dynamo zeigt sich einmal mehr, dass Solidarität in unserer Gesellschaft praktisch werden muss. Auch in dieser schweren Situation gilt: Niemand muss alleine dastehen!

Doch leider zeigt sich auch in diesen Tagen, dass die Räder der Ermittlungsbehörden und der Justiz stetig weiter mahlen. Auch wenn in vielen Gerichtsbezirken aktuell die Gerichtsverhandlungen verschoben werden, müssen trotz der weltweiten Ausbreitung der Pandemie Fristen eingehalten und bestimmte Vorladungen wahrgenommen werden.

Deshalb möchten wir Euch darauf hinweisen, dass wir natürlich weiterhin für Euch erreichbar sind. Ihr könnt uns weiterhin per Mail oder jetzt auch per Telefon rund um die Uhr erreichen. Ihr habt Fragen, Probleme bzw. Ärger mit der Polizei oder der Justiz? Dann meldet Euch einfach unter:

info [at] schwarz-gelbe-hilfe.de oder 0157/36902797

Gern helfen wir auch in Fällen und vermitteln Euch anwaltlichen Beistand, die nicht fußballbezogen sind.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

In eigener Sache: “Erste Hilfe”-Bereich aktualisiert

Aufgrund vielfältiger Änderungen im Gesetzesdschungel war es nötig unseren Bereich “Erste Hilfe” anzupassen. Dieser steht euch nun wieder vollumfänglich zur Verfügung. Er dient jedoch nur als grober Wegweiser und Leitfaden, er ersetzt jedoch keine anwaltliche Rechtsberatung! Solltet ihr Anmerkungen für weitere Themen haben, freuen wir uns über eure Kommentare an unserem Stand hinterm K-Block oder meldet euch per E-Mail an info [at] schwarz-gelbe-hilfe.de.

Den “Erste Hilfe”-Bereich findet ihr oben in der Menüleiste!

Strafenumlegung – Konzept der Schwarz-Gelben Hilfe

Strafenumlegung – Konzept der Schwarz-Gelben Hilfe

Am 07.02.2020 veröffentlichte die Sportgemeinschaft Dynamo Dresden eine Pressemitteilung (Link) über den Ausruf der „Kommission zur Strafenumlegung“. Diese Kommission hat zum Ziel, die durch den Bundesgerichtshof geschaffene Möglichkeit zur vollständigen Umlegung der Verbandsstrafen durch ein faires Verfahren für den Betroffenen zu regeln, ohne dabei die Interessen der Geschäftsführung des Vereins außer Acht zu lassen.

Die Schwarz-Gelbe Hilfe beteiligte sich aktiv bei der Entwicklung dieser Kommission mit der Erstellung eines eigenen Konzeptes und stellte dieses Konzept letztlich bei der Geschäftsführung und der Fanabteilung der SG Dynamo Dresden vor.

Durch die Ermittlung eines Verursachers einer Verbandsstrafe im Zuge eines Auswärtsspiels und die daraus entstandenen Forderungen der Geschäftsführung der SGD entstand innerhalb der Schwarz-Gelben Hilfe die Idee, sich mit der Praxis und den Möglichkeiten des sogenannten Strafenregresses und der gesamtschuldnerischen Haftung auseinanderzusetzen und einen Gegenentwurf zur Weitergabe von Verbandsstrafen zu entwickeln. Entstanden ist hierbei ein umfangreiches Konzeptpapier, welches die Strafenumlegung an sich erläutert, die Problematik der gesamtschuldnerischen Haftungen erfasst, Kritik an der Doppelbestrafung durch Umlage einer Verbandsstrafe übt und welche Ungerechtigkeiten für den Verursacher durch diese Möglichkeit entstehen. Hierbei stand vorallem der Blickwinkel des betroffenen Fußballfans im Vordergrund, der sich neben einem möglichen Urteil im Strafprozess nun mit einer Mehrfachverurteilung konfrontiert sieht. Die Höhe der zivilrechtlichen Forderungen aus dem Verbandsstrafenregress stehen dabei in keinerlei Verhältnis zu einer möglichen Verurteilung im Strafprozess. Der finanzielle Ruin wird dabei billigend in Kauf genommen und der Verein würde durch eine Privatinsolvenz des Verursachers ebenfalls mit leeren Händen dastehen.

Anhand unseres Leitbildes -das Leitbild der SG Dynamo Dresden- zeigen wir eine Möglichkeit zur Schaffung eines fairen Prozesses. Anhand eines mediationsähnlichen Verfahrens -begleitet durch drei unabhängige Schlichter- sollen die Streitparteien aufeinander zugehen und für beide eine einvernehmliche Lösung finden. Ein großer Dank geht hierbei an die Straf- und Sportrechtlerin Linda Röttig, welche den Konzepterstellungsprozess zu jeder Zeit aktiv mitgestaltete.

In einem späteren gegenseitigen Austausch mit dem Verein wurde die Machbarkeit dieses Konzeptes erörtert. Geschaffen wurde hierbei von Seiten der Vereinsführung eine Anhörungskommission, welche sich an der Entscheidungsfindung der Stadionverbotsanhörungskommission orientiert. Beteiligt sollen hierbei ein Mitglied der Fanabteilung, ein Vertreter des Fanprojekt Dresden, der Stadionverbotsbeauftragte der SGD, die Jugendhilfe und der soziale Dienst der Stadt Dresden sein.

Wir wünschen allen Beteiligten viel Erfolg bei der Umsetzung, Kraft und Ausdauer und stets die Findung einer Entscheidung mit Augenweide.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Das Konzeptpapier findet ihr im Downloadbereich (Link) oder könnt es direkt hier herunterladen (Link).

Einstellungen und kein Ende in Sicht

Mitte Juli des Jahres 2019 erhielten drei Dynamofans vom Amtsgericht Magdeburg einen gelben Brief. Erneut ging es um das Aufsstiegspiel vom 16.04.2016 der SG Dynamo Dresden beim FCM.
Den betroffenen Dynamofans wurde per Strafbefehl ein Landfriedensbruch zur Last gelegt. Alle Drei sollen sich in einer gewalttätigen Menge befunden haben, aus der Straftaten begangen worden sein sollten. Die Höhe der Strafbefehle reichte von 50 bis 120 Tagessätze. Je nach geschätzen Einkommen der Betroffenen ergaben sich unterschiedlich hohe Geldstrafen.
Das Vorgehen der Justiz war für uns, der Schwarz-Gelben Hilfe, hierbei allerdings im “Fall Magdeburg” etwas Neues – bisher gab die Staatsanwaltschaft Magdeburg die Ermittlungen in die Hände der am Wohnort der verdächtigten
Fans befindlichen Staatsanwaltschaft. Des Weiteren erhielten die bisherigen beschuldigten Dynamofans immer Anklageschriften und später Ladungen zum Gerichtstermin des jeweilig zuständigen Amtsgerichts – eine Aburteilung im verkürzten Verfahren mittels Strafbefehl war somit ebenfalls ein Novum in diesen Verfahren.
Die Schwarz-Gelbe Hilfe vermittelte allen drei Fans einen rechtlichen Beistand. Nach Einspruch gegen den Strafbefehl wurde anhand der Akteneinsicht eine eher dürftige Beweislage festgestellt. Die Verfahren konnten in allen Fällen am Ende nach § 153a StPO gegen eine Geldauflage in unterschiedlicher Höhe eingestellt werden. Die Schwarz-Gelbe Hilfe beteiligte sich im Nachgang an der Begleichung der Anwaltskosten. Für die Dynamofans endete somit dieses Verfahren ohne eine Verurteilung und eine etwaige Eintragung in das Bundezentralregister.

Doch leider können wir bis heute noch keinen Schlussstrich unter die Vorkommnisse vor gut vier Jahren ziehen. Weitere Dynamofans erhielten in den letzten Wochen Anklageschriften oder die Vorladung zum Gerichtstermin am Amtsgericht. Viele weitere Fans, die eine Vorldaung als Beschuldigte erhielten, warten bis heute auf einen Abschluss der Ermittlungen gegen sie.

Solltet Ihr daher Empfänger solcher oder ähnlicher Post sein, könnt Ihr Euch auch weiterhin bei uns via E-Mail an info [ at ] schwarz-gelbe-hilfe.de wenden. Beachtet bitte, Euch rechtzeitig zu melden, denn die Nichtbeachtung von Fristen kann Folgen haben, die man im Nachhinein nicht mehr beseitigen kann.

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

Fanhilfen kritisieren Beschlussvorschlag für Innenministerkonferenz

Auf der anstehenden Innenministerkonferenz (IMK) vom 04. bis 06. Dezember 2019 in der
Hansestadt Lübeck sollen erneut Gesetzesverschärfungen gegen Fußballfans beschlossen
werden (LTO: Fuß­ball-Row­dies die Fahr­er­laubnis ent­ziehen?). Read More…

Und die Moral von der Geschicht? Selbst das SEK verhindert Dynamo nicht! – Teil 1

Und mit diesem leicht abgewandelten Spruchband aus der Vorsaison heißen wir Euch herzlich Willkommen beim diesjährigen Saisonrückblick der Schwarz-Gelben Hilfe. So mancher Dynamofan wird froh sein, diese grauenvolle Spielzeit endlich abgehakt zu haben. Auch für uns war die Spielzeit 2018/19 wieder geprägt von Siegen und Niederlagen, von guten wie schlechten Zeiten. Doch in diesem Saisonrückblick wollen wir den Fokus nicht auf die üblichen Einzelschicksale der von Repressionen betroffenen Dynamofans richten. Das Augenmerk liegt auf dem polizeilichen Handeln, das vermehrt einen Großteil von Dynamofans an Spieltagen trifft. Eine gefährliche Entwicklung macht sich in der Bundesrepublik Deutschland breit. Die Allmacht der Polizei wird Gesetz. Jener Rechtsstaat, der uns Bürger, also auch uns Fußballfans, vor staatlichem Fehlverhalten schützen soll, wandelt sich immer mehr in einen Rechtsstaat, der sich selbst zu schützen versucht. Grund hierfür ist die bundesweite Verschärfung der Polizeigesetze. Aber auch Innenminister, die den Kontroll- und Überwachungsstaat fordern und ihre handelnde Exekutive, sprich Polizeieinheiten, mit immer neuen weitreichenden Befugnissen und allumfassenden Schutz aufrüsten, tragen dazu bei. Neben der üblichen Verfahrensbegleitung einzelner Dynamofans, die Probleme mit Polizei und Justiz bekommen haben, richtet sich unsere Aufmerksamkeit deshalb immer mehr auf die generelle Überprüfung polizeilichen Handelns. Im Unterschied zu so manch “medialem Lautsprecher” wollen wir an dieser Stelle keine Effekthascherei betreiben und holen auch nicht zum großen Rundumschlag aus. Es reicht allein, das ein oder andere Ereignis aus der letzten Saison noch einmal zu beleuchten, um zu sehen, welch schleichender Prozess in Gang gesetzt wurde.

Zukunftsbilder in Köln

Im November 2018 trat unsere Sportgemeinschaft in der Kölner Domstadt zum Auswärtsspiel an. Auf einer sehr unterhaltsamen Pressekonferenz einige Tage vor dem Spiel machte die Kölner Polizei deutlich, dass sie nicht gerade das unaufgeregte polizeiliche Handeln erfunden hat. “Das alles wollen wir in Köln hier nicht sehen…” – oder auch: die perfekte Medieninszenierung der Kölner Polizei. Viele rieben sich verwundert die Augen oder schüttelten den Kopf als Sätze, wie: “Es liegen Erkenntnisse vor, dass die Dresdner Fans einen Fanmarsch planen.” fielen. Nur durch “intensivste Vorabermittlungen” der Kölner Polizei konnte man an solch brisante Informationen gelangen – jedoch hatten die Vereinsführung und die Fanbetreuung zuvor die Möglichkeit eines solchen Marsches angefragt. Erst dadurch hatte die Kölner Polizei Kenntnis eines eventuellen Marsches erlangt.. Das Highlight folgte dann am Spieltag selbst, als bis zu 50 Polizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) rund um das Müngersdorfer Stadion auf die mitgereisten Dynamos warteten. Die beste Antwort auf dieses ganze Theater lieferten die Fans selbst in Form eines grandiosen Auswärtsauftritts, inklusive großer schwarz-gelber Rauchshow und einem besonnenen Verhalten, welches das polizeiliche Theater ins Leere laufen ließ. Selbst nach Ende des Spiels stand das SEK-Abwehrbollwerk des selbsternannten freiheitlich-demokratischen Nordrhein-Westfalens wie eine Eins, was sich von unserer sportlichen Defensive nach einer 8:1-Niederlage leider nicht behaupten ließ.

Aufrüstung auch in Hamburg

Ganz ähnliche Töne wurden nach dem Jahreswechsel 2018/19 in Hamburg laut. Es näherte sich unser Auswärtsspiel beim längst ausgestorbenen HSV-Dinosaurier. Auch hier kündigte die Hamburger Polizei eine Null-Toleranz-Schiene an und reagierte somit nicht gerade deeskalierend auf das sowieso angespannte Verhältnis zwischen Dynamofans und der Hamburger Polizei. Zur Erinnerung: Beim Spiel der schwarz-gelben Kicker am Millerntor im Dezember 2018 folgte auf das Fehlverhalten einiger Dynamofans ein Polizeieinsatz, der aus unserer Sicht völlig orientierungs- und planlos war. Pfefferspray und Schlagstock wurden damals gegen alles und jeden eingesetzt. Das Ergebnis waren mehrere Ingewahrsahmnahmen und eine große Zahl noch immer laufender Gerichtsverfahren gegen Dynamofans. Das Spiel beim HSV stand daher nicht gerade unter einem guten Stern. Einige Hamburger Boulevardblätter fantasierten schon im Vorfeld über hereinbrechende Hooliganhorden in der Hansestadt. Die Polizei rüstete am Spieltag typisch freiheitlich hanseatisch auf und so standen neben dutzenden Hundertschaften auch Wasserwerfer und Räumpanzer bereit. Ein Fanmarsch, welcher von einem Einkaufszentrum zum Volkspark zog, zeigte, wie dünn die Reißleine zur Eskalation auf Seiten der Hamburger Polizeieinsatzleitung war. Nachdem ein pyrotechnischer Gegenstand gezündet wurde, bezogen sofort BFE-Einheiten und oben genannte Einsatzgeräte Stellung und stoppten den Marsch. Nur durch das deeskalierende Verhalten der Dresdner Fans konnte der Fanmarsch schließlich fortgesetzt werden. Am Einlass folgte für einen ehemaligen Bundesligisten unwürdigste Bedingungen. Im Stadion selbst zeigten die Schlachtenbummler der SGD eine der größten Bengalenshows bei einem Auswärtsauftritt unserer Mannschaft, welche sogar im Nachgang die Debatte in der bundesdeutschen Medienwelt über die Frage nach der Legalisierung von Pyrotechnik wieder anheizte. Beim Abmarsch der Fans nach dem Spiel kam es leider zu einem äußerst tragischen Vorfall, der uns -und vor allem die Angehörigen- nach wie vor stark beschäftigt. Genauer können und wollen wir an dieser Stelle aus Respekt vor den Angehörigen und aufgrund eines laufenden Verfahrens nicht werden.

Gefahrenabwehr in Duisburg und Darmstadt

Auch vermeintlich kleinere Auswärtsspiele wurden durch polizeiliche Maßnahmen für viele mitgereisten Dynamofans zu einer Zerreißprobe. “Im Rahmen der Gefahrenabwehr” sollte das letzte Spiel des Jahres 2018 in Duisburg ein besonderes werden. Aufgrund einer vorausgegangen kleinen Rangelei einzelner Dynamofans mit dem Ordnungsdienst am Einlass des Wedaustadions erfolgte die Kesselung und der Ausschluss von etwas mehr als 250 Dynamofans vom Spiel. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen zeigte erneut ihre bürgerrechtsfeindlichen Zähne und ließ später über deren Medien verlauten, dass dies ein geplanter Sturm des Stadions gewesen wäre, um pyrotechnische Gegenstände ins Stadion zu bringen. Gefunden wurde allerdings bei den betroffenen Dynamofans nichts. Stattdessen durfte man mit Sicht auf das Stadionäußere im Nieselregen warten bis man zur persönlichen Kontrolle abgeholt wurde. Die schwarz-gelben Anhänger, welche schon im Gästeblock auf die aktive Fanszene warteten, zeigten sich solidarisch, versuchten den Block zu verlassen, was ihnen allerdings aufgrund polizeilicher Gegenwehr untersagt wurde, und somit schwiegen sie die komplette Spielzeit. Vor Ort waren wir, die Schwarz-Gelbe Hilfe, leider erst einmal machtlos, doch wir werden sehen, was die juristische Überprüfung im Nachgang bringen wird. Ähnliches Schicksal erlitten die Insassen von vier Kleinbussen nach dem Spiel beim SV Darmstadt: Die eingesetzten hessischen Polizeibeamten versuchten krampfhaft ein textiles Beweismittel zu finden, welches zuvor ihren Dienstherren Peter Beuth (hessischer Innenminister mit CDU-Parteibuch) als Sohn eines Freudenmädchens beleidigte. Hintergrund des Spruchbandes war der völlig überzogene Polizeieinsatz seines gehorsamen Fußvolkes am Rande des Europapokalspiels der Frankfurter Eintracht gegen Shakhtar Donetsk und die Durchsuchung des Choreomaterials nach einem Spruchband, welches ihn als einen “Ficker” bezeichnet haben soll. Auf dem Darmstädter Gästeparkplatz konnte der Tatgegenstand allerdings trotz stundenlanger Durchsuchungen nicht gefunden werden, Ermittlungen wegen Beleidigung Peter Beuths sind uns bisher ebenfalls nicht bekannt. Auch hier geht ein Dank an die wartenden Dynamofans, die sich solidarisch mit den betroffenen Fußballfans zeigten.