Böl­ler­wurf bleibt unge­klärt — Dyna­mo­fan freigesprochen

30 Mai 2017 | Abgeschlossene Verfahren

Es ist der 11.05.2014. Die SG Dynamo Dres­den liegt in der 63. Minute in Über­zahl gegen den direk­ten Abstiegs­kon­kur­ren­ten Armi­nia Bie­le­feld mit 0:2 hin­ten. Aus dem K‑Block stei­gen schwarze Rauch­wol­ken auf. Die Fans packen ihre Zaun­fah­nen ein, Leucht­ra­ke­ten flie­gen und Böl­ler explo­die­ren. Einer der Böl­ler, die dabei aufs Spiel­feld flo­gen, ging knapp neben Armi­nias Stür­mer Kacper Przy­bylko hoch. Der Abstieg aus der zwei­ten Liga scheint besie­gelt. Nach der 15-minütigen Spiel­un­ter­bre­chung spielt die Dyna­mo­mann­schaft wie aus­ge­wech­selt. Eine Auf­hol­jagd beginnt, die am Ende den­noch mit 2:3 unglück­lich ver­lo­ren geht. Der K‑Block lässt der Abstiegs­mann­schaft gnä­di­ger­weise eine Stunde Zeit, um die Stadt zu verlassen.

Rund um das erste Heim­spiel der Sai­son 2014/15 gegen die Zweit­ver­tre­tung des VfB Stutt­gart wird der Dyna­mo­fan Gün­ther Gemüse* von der Poli­zei zu einer Per­so­na­li­en­kon­trolle gebe­ten. Der Vor­wurf lau­tet: ver­suchte gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung. Die Beam­ten hät­ten ihn anhand von Video­auf­nah­men wie­der­erkannt. Dar­auf sei zu sehen, wie Gün­ther sich ver­mummt und einen Knall­kör­per in Rich­tung des Spiel­felds wirft.

Nach meh­re­ren Mona­ten erhält Gün­ther im Sep­tem­ber 2015 Post von der Poli­zei. Er solle sich doch bitte zu oben genann­ten straf­ba­ren Hand­lun­gen schrift­lich äußern, wel­ches er aller­dings ver­wei­gerte. Auf Anra­ten der Schwarz-Gelben Hilfe erhielt Gün­ther Gemüse Akten­ein­sicht über einen Anwalt. In die­ser ist ein­deu­tig zu erken­nen, dass die Per­son, wel­che den Knal­ler wirft, Gün­ther in keins­ter Art und Weise, abge­se­hen von der Haar­farbe, ähn­lich sieht.

Bei­nahe drei Jahre nach der ver­meint­li­chen Tat kommt es am Amts­ge­richt Dres­den zur Ver­hand­lung. Wäh­rend Gün­thers Anwäl­tin auf­grund der Beweis­lage von vorn­her­ein einen Frei­spruch bean­tragt, will sich die Staats­an­walt­schaft den Miss­erfolg nicht ein­ge­ste­hen und will sich maxi­mal mit der Ein­stel­lung des Ver­fah­rens zufrie­den geben. Eine Ein­stel­lung des Ver­fah­rens hätte aller­dings für den Dyna­mo­fan Gün­ther erheb­li­che finan­zi­elle Aus­la­gen zur Folge, da die Staats­kasse in einem sol­chen Fall nur einen Teil der Gerichts- und Anwalts­kos­ten trägt. Gün­thers Anwäl­tin ent­schei­det sich für ein anthro­po­lo­gi­sches Gut­ach­ten, wor­auf­hin der Vor­sit­zende Rich­ter die Ent­schei­dung vertagt.

Das Gut­ach­ten spricht eine ein­deu­tige Spra­che, die Per­son auf den Video­auf­zeich­nun­gen ist nicht Gün­ther Gemüse. Anfang Mai, am zwei­ten Ver­hand­lungs­tag, musste sich nun auch die Staats­an­walt­schaft ein­ge­ste­hen, dass man um einen Frei­spruch nicht mehr drum herum kommt. Sämt­li­che Kos­ten muss nun die Staats­kasse über­neh­men. Fazit: Manch­mal mah­len die Müh­len der Jus­tiz nicht nur lang­sam, son­dern auch falsch!

Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

* Name durch die SGH geändert

Quelle Titel­bild: www.ultras-dynamo.de

Mehr Artikel

Aus­wärts beim SV Darm­stadt — Daten­ma­xi­mie­rung am Böllenfalltor
Aus­wärts beim SV Darm­stadt — Daten­ma­xi­mie­rung am Böllenfalltor

Aus­wärts beim SV Darm­stadt — Daten­ma­xi­mie­rung am Böllenfalltor

Das Auswärtsspiel beim SV Darmstadt 98 wirft mit der Vorverkaufsinformation der SG Dynamo Dresden seine Schatten voraus. Das vierte Saisonspiel in der Fremde bedeutet auch gleichzeitig wieder eine neue Liste an, teils absurden Bestimmungen für alle Auswärtsfahrer....