Der Kampf um den Aufstieg

17 Mai 2021 | Allgemein

Die SG Dynamo Dres­den ist, nach einem Jahr Absti­nenz, wie­der ein­mal in die 2.Bundesliga auf­ge­stie­gen. Doch dies sollte erneut bei einem Spiel um die Ent­schei­dung bzw. um den ver­meint­li­chen Sai­son­hö­he­punkt in den Hin­ter­grund treten.
Es kam zu einer der schwers­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Anhän­gern der SG Dynamo Dres­den und der Poli­zei seit über 10 Jah­ren. In die­ser Stel­lung­nahme soll es nicht um Schuld­zu­wei­sun­gen gehen, auch sol­len keine Straf­ta­ten, Angriffe auf Men­schen oder Sach­be­schä­di­gun­gen gebil­ligt oder ver­harm­lost wer­den. Es dient aus­schließ­lich der kri­ti­schen Doku­men­ta­tion die­ses Tages.

Im Vor­feld der Fuß­ball­par­tie mach­ten sich schnell Gerüchte und Mel­dun­gen breit — Die Lenn­e­st­raße soll zur Ver­bots­zone für Dyna­mo­fans wer­den. Wütende Kom­men­tare und ver­är­gerte Auf­rufe bra­chen sich vor­al­lem im Inter­net ihre Bahn. Schnell kam es zu einer “Jetzt-erst-Recht”-Stimmung. Auch in den Tagen zuvor wur­den kei­ner­lei Wege oder Mög­lich­kei­ten gefun­den, die­ser Stim­mung ent­ge­gen­zu­tre­ten. Nahezu hilf­lose Auf­rufe und Appelle sei­tens der Ver­ant­wort­li­chen bei Poli­zei, Stadt und auch Ver­ein, bitte doch den größ­ten Ver­eins­er­folg der letz­ten Jahre in den eige­nen vier Wän­den zu fei­ern, ver­hall­ten. Eine Fan­an­samm­lung vom Straß­bur­ger Platz bis in die Tie­fen des Gro­ßen Gar­ten war unaus­weich­lich und vor­al­lem eines — unkontrollierbar.

Schnell kur­sier­ten am Spiel­tag sel­ber Bil­der einer gigan­ti­schen Wagen­burg der Poli­zei rund um das Dynamo-Stadion. Ein Bereich von unge­fähr 400x30m war kom­plett mit Poli­zei­fahr­zeu­gen zuge­stellt, so dass auch der letzte Blick in Rich­tung Aus­tra­gungs­ort ver­sie­gelt war. Von der Tor­wirt­schaft bis zum Straß­bur­ger Platz ver­sam­mel­ten sich, wie vor­her­zu­se­hen, bereits weit vor Anpfiff tau­sende Dyna­mo­fans. Wie für eine Auf­stiegs­feier üblich floss der Alko­hol, egal ob aus­ge­schenkt oder in Fla­schen mit­ge­bracht, in Strö­men. Hier und da for­derte die Poli­zei die Corona-Schutzmaßnahmen ein, es wur­den Ord­nungs­wid­rig­kei­ten dies­be­züg­lich völ­lig will­kür­lich und in der Flä­che ungleich­mä­ßig geahndet.

Anpfiff — die Dyna­mo­fans sam­meln sich mehr­heit­lich rund um die Haupt­al­lee . Abstände kön­nen und wer­den nicht mehr ein­ge­hal­ten. Zwi­schen den Toren und einer Menge Pyro­tech­nik, ver­mi­schen sich, neben einem bun­ten Coleur aus allen Schich­ten von Dyna­mo­fans, gemeine Park­be­su­cher, Fami­lien mit Kin­dern und all­ge­meine Schau­lus­tige. Auch im Laufe der Spiel­zeit nimmt der unkon­trol­lierte Strom von her­an­na­hen­den Dyna­mo­fans ein­fach nicht ab. 

Die, für den spä­te­ren Tages­ver­lauf ent­schei­den­den Sze­nen, spiel­ten sich Mitte der zwei­ten Halb­zeit ab. Die Stim­mung eupho­risch, Gesänge wer­den laut­stär­ker als sonst ange­stimmt und auch eine Viel­zahl von pyro­tech­ni­schen Gegen­stän­den ent­zün­det. Zwi­schen dem ehe­ma­li­gen Trai­nings­ge­lände und dem Aus­gang Tor­wirt­schaft ent­steht eine unüber­sicht­li­che Situa­tion, pyro­tech­ni­sche Gegen­stände lan­den in der “Ver­bots­zone” vor dem Sta­dion. Anstatt diese, schon weit vor­her außer Kon­trolle gera­tene Gesamt­si­tua­tion, erneut aus­zu­sit­zen, ent­schei­det sich die Poli­zei nun zum gro­ßen Gegen­an­griff zu bla­sen. Poli­zei­hun­dert­schaf­ten ver­su­chen die vor­her größ­ten­teils fried­li­che Men­schen­menge aus­ein­an­der­zu­trei­ben, um eini­gen Weni­gen Herr zu wer­den. Es folgt die große Eska­la­tion. Die, in den Tagen zuvor ver­nach­läs­sigte Situa­tion, explo­diert. In einem, für die Ein­satz­kräfte unweg­sa­men und unüber­sicht­li­chen Gelände fol­gen nun Jagd­sze­nen, das große Katz-und-Maus-Spiel beginnt. Fla­schen und pyro­tech­ni­sche Gegen­stände flie­gen. Die Poli­zei ant­wor­tet mit Pfef­fer­spray, Was­ser­wer­fer­ein­satz und Unmen­gen an Trä­nen­gas. Viele zuvor völ­lig friedlich-feiernde Dyna­mo­fans soli­da­ri­sie­ren sich dar­auf­hin gegen die Polizei.
Durch die Weite des Gro­ßen Gar­tens erfolgt nun der Abstrom der auf­ge­brach­ten Masse Rich­tung Straß­bur­ger Platz und Cockerwiese. 

Wäh­rend im Sta­dion sich die Bier­du­schen gege­ben wer­den, fol­gen außer­halb meh­rere Stun­den Straßenschlacht.
Wäh­rend das mobile Fahr­zeug des Dynamo-Fanshops die Aufsteiger-Shirts ver­kauft, räumt unmit­tel­bar dane­ben der Räum­pan­zer die Bar­ri­ka­den von der Straße. Wäh­rend Pres­se­ver­tre­ter kran­ken­haus­reif geschla­gen wer­den, “doku­men­tie­ren” bun­des­weit bekannte “Quer­den­ker” im Schutze der Polizei. 

Erst mit dem Zurück­drän­gen der ran­da­lie­ren­den Masse über den Straß­bur­ger Platz kehrt nach 18 Uhr wei­tes­ge­hend Ruhe ein.

Das Ergeb­nis die­ses Tages sind unzäh­lige, teil­weise schwer­ver­letzte Men­schen, ein gro­ßer Sach­scha­den, viele Inge­wahr­sahm­nah­men und eine Auf­stiegs­feier, die so sicher­lich kei­ner haben wollte.

In unse­ren Köp­fen sind noch viele offene Fra­gen, die es zu beant­wor­ten gilt. Viele Gerüchte müs­sen veri­fi­ziert wer­den. Wir ver­su­chen die­sen Tag, auch dies­mal, für die Fan­szene der SG Dynamo Dres­den auf­zu­ar­bei­ten, sei es mit par­la­men­ta­ri­schen oder juris­ti­schen Möglichkeiten.

Bei Pro­ble­men, (Rück-)Fragen oder Ähn­li­chem, mel­det Euch ein­fach unter: info@schwarz-gelbe-hilfe.de!

Wir sind für Euch da — Eure Schwarz-Gelbe Hilfe

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