Poli­zei­ein­satz­zah­len bei Heim­spie­len der SGD

5 Mai 2019 | Allgemein, Blick über den Tellerrand

Sicher­lich habt ihr Euch alle schon ein­mal gefragt, wie­viel Poli­zei eigent­lich bei Spie­len rund um das Rudolf-Harbig-Stadion im Ein­satz sind. Wir, die Schwarz-Gelbe Hilfe, haben uns mal die Mühe gemacht und sämt­li­che par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen des säch­si­schen Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Enrico Stange (DIE LINKE) zusam­men­ge­sam­melt. In die­sen wur­den die Ein­satz­zah­len der Poli­zei rund um die Heim­spiele unse­rer Sport­ge­mein­schaft Dynamo Dres­den in der Sai­son 2017/18 zusam­men­ge­tra­gen. Wir haben den Ver­such einer sta­tis­ti­schen Aus­wer­tung gewagt und uns dazu einige Fra­gen gestellt: Wie hoch ist die Anzahl an Ein­satz­kräf­ten im Schnitt? Wie­viel Ein­satz­stun­den ent­stan­den bei allen Heim­spie­len? Wie ver­hal­ten sich diese pro Ein­satz­kraft? Außer­dem ver­su­chen wir einen klei­nen Aus­blick in die der­zeit lau­fende Sai­son 2018/19 zu geben. Wie ver­hiel­ten sich die Ein­satz­zah­len in der Hin­runde? Was hat sich dra­ma­tisch geändert?

Die Spiel­zeit 2017/18 war nicht gerade die erfolg­reichste Sai­son der Sport­ge­mein­schaft Dynamo Dres­den in der jün­ge­ren Geschichte. Mit 41 Punkte konnte gerade so der Klas­sen­er­halt in der 2.Bundesliga gehal­ten wer­den. Span­nend machte es die schwarz-gelbe Elf vor allem am letz­ten Spiel­tag — die Sai­son konn­ten­ach einer 0:1 Heim­nie­der­lage gegen die Eiser­nen aus Ber­lin nur dank der güns­ti­gen Ergeb­nisse auf den ande­ren Plät­zen auf einem Nicht­ab­stiegs­platz abge­schlos­sen wer­den. Doch trotz anhal­ten­der Heim­spiel­schwä­che hiel­ten die leid­ge­prüf­ten Fans auch in die­ser Sai­son ihrem Ver­ein die Treue. Ins­ge­samt konnte die SGD 18.000 Dau­er­kar­ten ver­kau­fen. In die­ser Spiel­zeit besuch­ten 476.053 Zuschauer die Spiele im Rudolf-Harbig-Stadion, im Schnitt kamen 28.003 Zuschauer zu den Heim­par­tien — dies hat eine Sta­di­on­aus­las­tung von 87,3% zur Folge. Doch nun zur eigent­li­chen Sta­tis­tik — die Poli­zei­ein­satz­zah­len der Sai­son 2017/18.

Ins­ge­samt waren 7.523 Poli­zei­kräfte, inklu­sive Bun­des­po­li­zei, soge­nannte Tarif­be­schäf­tigte und Poli­zei­be­amte ande­rer Bun­des­län­der an der Len­né­straße im Ein­satz. Dabei sam­mel­ten sich 51.886 Ein­satz­stun­den an. Dies sind bei 17 Liga­heim­spie­len rund 443 Poli­zis­ten mit ca. 3.052 Stun­den Ein­satz­zeit. Ange­rech­net auf die Zahl der Sta­di­on­be­su­cher hatte dem­nach ein ein­zel­ner Poli­zist bei einer durch­schnitt­li­chen Dienst­zeit von 6,9 Stun­den pro Spiel­tag etwa 63 Sta­di­on­be­su­cher im Blick. Die meis­ten Poli­zis­ten waren an besag­tem letz­ten Spiel­tag gegen den 1. FC Union Ber­lin im Ein­satz: 786 Poli­zei­kräfte scho­ben ins­ge­samt 5.678 Stun­den Dienst — durch­schnitt­lich also 7,22 Stun­den. Am 3. Spiel­tag der Sai­son gas­tierte der SV Sand­hau­sen im Rudolf-Harbig-Stadion. Mit im Gepäck, ein paar dut­zend Fans, die der Macht aus dem Hardt­wald die Treue hal­ten. Des­halb auch wenig ver­wun­der­lich, dass die Ein­satz­füh­rung zu die­sem Spiel nur 148 Poli­zis­ten mit nur 804 Dienst­stun­den (durch­schnitt­lich 5,43h) abstellte. Dies stellt somit den gerings­ten Wert sowohl an Ein­satz­kräf­ten, als auch an Ein­satz­stun­den in der Sai­son 2017/18 dar.

Der Spit­zen­wert an durch­ge­führ­ten Ein­satz­stun­den fiel beim SGD-Heimspiel gegen den spä­te­ren Abstei­ger, der Ein­tracht aus Braun­schweig an. Bei knapp 1.500 Gäs­te­fans aus Nie­der­sach­sen waren 673 Kräfte des aus­füh­ren­den Organs anwe­send. Diese voll­zo­gen 6.361 Arbeits­stun­den, was einen durch­schnitt­li­chen Wert von 9,45h ergab. Betrach­ten wir den Spiel­tag nun etwas genauer, las­sen sich sehr schnell Rück­schlüsse dar­aus zie­hen, woher diese Über­stun­den stam­men. Schuld haben hier­bei weni­ger poli­zei­li­che Maß­nah­men, die aus Fehl­ver­hal­ten von Heim- oder Gäs­te­fans resul­tie­ren, son­dern viel­mehr Sturm­tief “Her­wart”, wel­ches in der Nacht auf den 29.10.2017 in ganz Sach­sen wütete. Dies hatte zur Folge, dass der Anpfiff der Par­tie von 13:30 Uhr um zwei­ein­halb Stun­den auf 16 Uhr ver­scho­ben wurde (Rück­blick der Blau-Gelben Hilfe Braun­schweig auf das Spiel). Zieht man nun diese Dif­fe­renz ab, kommt man auf einen eher unter­durch­schnitt­li­chen Arbeits­tag von knapp sie­ben Einsatzstunden.

Betrach­ten wir nun die Hin­runde der aktu­el­len Spiel­zeit 2018/19. Die Sport­ge­mein­schaft befand sich nach 17 Spiel­ta­gen mit 22 Punk­ten auf Liga­platz 11 und Maik Wal­pur­gis war noch Chef­trai­ner der SGD. Die ers­ten 9 Heim­spiele besuch­ten ins­ge­samt 251.886 Zuschauer, also durch­schnitt­lich 27.987 Fuß­ball­be­geis­terte — dies waren in der Hin­runde im Ver­gleich zur ver­gan­ge­nen Sai­son 16 Men­schen weni­ger. Die Ein­satz­zah­len der Poli­zei haben sich im Unter­schied dazu jedoch deut­lich verändert.

Nach neun Heim­spie­len scho­ben ins­ge­samt 2.828 Poli­zis­ten mit einer Gesamt­ein­satz­zeit von 16.847 Stun­den Dienst rund um die Hei­lig­stätte der SGD. Dies sind pro Spiel knapp 314 Ein­satz­kräfte mit einer Ein­zel­dienst­zeit von 5,96 Stun­den und damit bis­lang sehr viel nied­ri­ger als noch in der Vor­sai­son. Bis­he­ri­ger Höchst­wert war das Dynamo-Heimspiel am 19.10.2018 gegen die lila-weißen Kicker aus dem Erz­ge­birge. 705 Poli­zis­ten mit einem Gesamt­ein­satz von 4.587 Stun­den, durch­schnitt­lich also 6,5 Stun­den, eine Dienst­zeit, von der die meis­ten Arbeiter- und Arbei­te­rin­nen in Sach­sen nur träu­men können.

Die größte Dif­fe­renz ist in der Par­tie Dynamo Dres­den gegen Hol­stein Kiel aus­zu­ma­chen. Am 30. Spiel­tag der Sai­son 2017/18 waren bei die­ser Paa­rung 446 Poli­zei­be­diens­tete im Ein­satz. In der Hin­runde der lau­fen­den Sai­son 2018/19, gerade ein­mal knapp 8 Monate spä­ter, wurde die Anzahl deut­lich her­un­ter­ge­schraubt. Die Anset­zung beglei­te­ten nun nur noch 175 Beamte — trotz gleich­blei­ben­der Anzahl an mit­ge­reis­ten Fans der Kieler-Störche.

Die dras­ti­sche Ver­min­de­rung an Poli­zei­kräf­ten rund um Heim­spiele der Sport­ge­mein­schaft Dynamo Dres­den begrü­ßen wir als Schwarz-Gelbe Hilfe. Dem Ruf nach einer Ent­las­tung säch­si­scher Poli­zei­be­am­ter und der Bereit­schafts­po­li­zei kann bei Fuß­ball­spie­len nach­ge­gan­gen wer­den, um so den Abbau an Mehr­ar­beits­zei­ten der Poli­zei vor­an­zu­trei­ben. Die Fak­ten zei­gen, dass Fuß­ball­spiele an der Len­né­straße keine Mehr­ar­beit her­vo­ru­fen. Sogar das Gegen­teil ist der Fall: Die Ein­satz­zeit eines Poli­zis­ten liegt an Spiel­ta­gen eher unter­halb eines durch­schnitt­li­chen Acht-Stunden-Arbeitstages.

Die Gründe für die Ver­än­de­run­gen sind viel­fäl­tig. Durch die Umbau­maß­nah­men an der Len­né­straße Ende der 2000er-Jahre und dem dar­aus resul­tie­ren­den Umzug des Gäs­te­blocks in den süd­li­chen Bereich des Sta­di­ons hat sich die Ein­satz­stra­te­gie für die Poli­zei deut­lich ver­ein­facht. Die Tage, an denen große Men­gen an Gäs­te­fans fuß­läu­fig direkt an dem an der Len­né­straße gele­ge­nen Heim­ein­gang von der Poli­zei vor­bei­ge­führt wur­den, gehö­ren schon län­ger der Ver­gan­gen­heit an. Die Zei­ten der “gro­ßen” Stra­ßen­schlach­ten rund um das Rudolf-Harbig Sta­dion und auf der Cocker­wiese sind schon seit min­des­tens 15 Jah­ren vor­bei. Auch kann man das Kon­zept des Shut­tle­trans­fers für Gäs­te­fans als nahezu “per­fekt durch­or­ga­ni­siert” bezeich­nen. Der Bereich Rudolf-Harbig-Stadion wurde nahezu befrie­det. Gerade des­halb kann auch bei soge­nann­ten Risi­ko­spie­len der Bedarf an Poli­zis­ten in Zukunft eben­falls deut­lich ver­min­dert und damit eine Mehr­be­las­tung säch­si­scher Poli­zis­ten wei­ter abge­baut werden. 

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