Auf­ar­bei­tung Per­so­na­li­en­fest­stel­lung Sandhausen

24 Okt 2013 | Repression

Nach einer chan­cen­rei­chen, aber lei­der nur bedingt erfolg­rei­chen Par­tie unse­rer Schwarz-Gelben ver­ließ der Groß­teil der Fans das Sta­dion in Rich­tung der Park­plätze. Auch die ca. 200 Fans, wel­che per Bus anreis­ten, sam­mel­ten sich und fuh­ren geschlos­sen 15:45 Uhr vom Park­platz los.
Unter einer gro­ßen Poli­zei­be­glei­tung ging es nun Rich­tung Wall­dorf. Als die Busse einige Klein­stra­ßen neben dem ansäs­si­gen IKEA-Möbelhaus pas­sier­ten und hek­tisch agie­rende, behelmte Poli­zis­ten die Busse nun zu Fuß in Rich­tung des Innen­ho­fes einer Stra­ßen­meis­te­rei beglei­te­ten, wusste man, das dies nicht der direkte Heim­weg gen Dres­den war.

Nach­dem die ca. 100–120 Poli­zis­ten sich im Hof for­miert und die ein­zel­nen Busse an den Türen gesi­chert hat­ten, durfte man nach etwa 10 Minu­ten durch eine Durch­sage den Grund der Maß­nahme erfah­ren. Man hätte gesi­cherte poli­zei­li­che Hin­weise, dass eine soge­nannte „Drittor­tausein­an­der­set­zung“ mit Fans aus Ros­tock geplant sei. Dar­auf­hin infor­mierte die SGH die Fans in den Bus­sen über die Gren­zen der poli­zeich­li­chen Befug­nisse in die­ser Situation.

Was nun folgte ist mitt­ler­weile All­tag im deut­schen Fuss­ball: Ein jeder Bus­in­sasse durfte ein­zeln aus­stei­gen und sich einer Per­so­na­li­enf­st­stel­lung unter­zie­hen. Kurz­zei­tig drohte die Situa­tion zu eska­lie­ren, da ein Poli­zist es sich nicht neh­men ließ, das Sze­na­rio mit sei­nem Pri­vat­handy (!) zu filmen.
Auch kam es zu einer wei­te­ren kur­zen Fest­set­zung eines Dyna­mo­fans. Die­ser wurde aus der hin­te­ren Tür eines Bus­ses her­aus­ge­zo­gen, als sich Fans gegen das Schlie­ßen die­ser aus­spra­chen. Es gab schlicht und ein­fach keine wei­tere Mög­lich­keit den hin­te­ren Teil des Bus­ses mit Frisch­luft zu ver­sor­gen. Die Tür wurde natür­lich trotz­dem geschlos­sen. Nach reich­lich zwei Stun­den war die Maß­nahme been­det und die Busse tra­ten nach und nach die Heim­reise an.

Die SGH stellt sich nun fol­gende Fragen:

  • Wieso lässt man die Busse im Halb­stun­den­takt vom Hof fah­ren? Will man damit etwas die Wahr­schein­lich­keit eines Auf­ein­an­der­tref­fens erhöhen?
  • Wieso wer­den die Busse nicht wie üblich mit Poli­zei­be­glei­tung über die Auto­bahn beglei­tet? Alle ein­zeln abfah­ren­den Busse bestrit­ten die Heim­reise größ­ten­teils ohne bezie­hungs­weise nur teil­weise mit der übli­chen Poli­zei­be­glei­tung! Außer­dem wurde nur durch das Hin­aus­zö­gern der Abfahrt die Mög­lich­keit geschaf­fen, auf die spä­ter abrei­sen­den Han­saf­ans aus Stutt­gart zu treffen.

Zu erwäh­nen ist, dass auf der gesam­ten Rück­fahrt es zu kei­ner­lei wei­te­ren Vor­komm­nisse, weder mit der Poli­zei noch mit ande­ren Fans, kam.

Auch Tage nach dem Spiel wird man das Gefühl nicht los, dass diese poli­zei­li­chen Maß­nahme nicht zum Zwe­cke der Straf­tat­ver­hin­de­rung geführt wurde, son­dern viel­mehr um ein Auf­ein­an­der­tref­fen der bei­den riva­li­sie­ren­den Fan­la­ger erst zu ermög­li­chen. Viel­leicht um Schi­ka­nen, Ver­bote oder Anzei­gen Tür und Tor zu öff­nen?! Auch wenn dies natür­lich reine Spe­ku­la­ti­ons ist, ein fader Bei­geschmack bleibt.

Abschlie­ßend möch­ten wir natür­lich noch anmer­ken, dass wir uns vor­be­hal­ten, juris­tisch gegen diese Maß­nahme vorzugehen.

Mehr Artikel

Inter­view mit Ronald Beć — Lei­ter “Fan­pro­jekt Dres­den e.V.” Teil 2
Inter­view mit Ronald Beć — Lei­ter “Fan­pro­jekt Dres­den e.V.” Teil 2

Inter­view mit Ronald Beć — Lei­ter “Fan­pro­jekt Dres­den e.V.” Teil 2

Ihr habt als Sozialarbeiter eine besondere Verantwortung gegenüber eurer Klientel bzw. den aufgesuchten, zu meist jugendlichen Fußballfans. Aufgrund eurer Nähe zu diesen Leuten, den Gesprächen mit ihnen, fungiert somit auch als Geheimnisträger, ähnlich einem...

Inter­view mit Ronald Beć — Lei­ter “Fan­pro­jekt Dres­den e.V.” Teil 1
Inter­view mit Ronald Beć — Lei­ter “Fan­pro­jekt Dres­den e.V.” Teil 1

Inter­view mit Ronald Beć — Lei­ter “Fan­pro­jekt Dres­den e.V.” Teil 1

Vor einigen Wochen haben wir uns mit Ronald Beć, dem Geschäftsführer des Fanprojekt Dresden e.V. über Videotelefonie getroffen, haben über die aktuelle Situation im Fußball diskutiert, die geplanten Kürzungen Seitens des DFB bei Fanprojekten geredet, aber vor allem...